Seltene Funde kommen zurück nach Osttirol

In Innsbruck wissenschaftlich untersucht, werden Relikte aus längst vergangenen Tagen an ihrem Fundort Schloss Lengberg präsentiert.

Von Claudia Funder

Nikolsdorf –Der Umbau hatte viel kulturhistorisch Spannendes ans Licht gebracht: Unmengen an Münzen, kolorierte Spielkarten aus dem Spätmittelalter, alte Schuhe, Schriftstücke, Kleidungsreste, eine Einhandflöte und vieles mehr. Seit Frühjahr 2008 war Schloss Lengberg im Zuge einer Generalsanierung für längere Zeit Baustelle. Und der Komplex, dessen Ursprung in das 12. Jahrhundert zurückreicht und der heute vom Aufbauwerk der Jugend genutzt wird, entpuppte sich als prall gefüllte Schatzkiste.

Neben der bauanalytischen Begleitung, die neue Erkenntnisse für die Entstehung der Architektur brachte, bot der Bau vor allem Archäologen ein breites Betätigungsfeld. Vor allem die Gewölbezwickelfüllung im Obergeschoß barg eine Unzahl an Objekten, die das Herz jedes Historikers höherschlagen lässt. „Es wurden rund 10.000 Fundobjekte gesichert, die zur Restaurierung und wissenschaftlichen Untersuchung durch ein internationales Team nach Innsbruck kamen“, erklärt Harald Stadler vom Institut für Archäologien, Fachbereich Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie. Dem gebürtigen Osttiroler obliegt die wissenschaftliche Leitung des Großprojekts.

Die Restaurierung von Schloss Lengberg ist längst abgeschlossen, die Stücke des Massenfunds wurden zugeordnet. Eine Auswahl der Objekte wurde bereits auf Schloss Lengberg gezeigt, so etwa die herausragende Einhandflöte aus den Gewölbezwickelfüllungen – laut Stadler eines der aufregendsten Fundstücke. Nun kommen weitere Objekte, die in Innsbruck unter die Lupe genommen und restauriert wurden, zurück nach Osttirol.

Morgen, am 29. Juni, kann man von 10 bis 16 Uhr anlässlich eines Tages der offenen Burg nicht nur das Schloss und die Einrichtung des Aufbauwerks der Jugend besichtigen, sondern auch neue Ausstellungsgegenstände aus der Gewölbezwickelfüllung des Baus. „In zwei Vitrinen werden eine Auswahl der gefundenen Münzen und Spielkarten, ein Geldbeutel aus St. Justina, der thematisch zum Münzthema passt, und ein Teil der 150 Objekte umfassenden Privat- und Geschäftskorrespondenz aus dem 14. und 15. Jahrhundert gezeigt“, freut sich Stadler über die Ausstellung. „Bei den Münzen handelt es sich um den größten Fund dieser Art, der je in einer Tiroler Burg gesichert wurde.“

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Es ist geplant, dass weitere Fundstücke in den Bezirk zurückkehren werden. Stadler: „Irgendwann werden alle Objekte wieder in Osttirol sein.“

Morgen um 10.30 und um 15 Uhr wird Harald Stadler auf Schloss Lengberg neben den faszinierenden Funden auch zwei druckfrische Fachbücher der 20-bändigen Reihe „Lengberger Studien“ präsentieren. Sie beinhalten Details zu den Spielkarten und Fundmünzen.


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