Palfrader veranlasst Aufarbeitung der Volkskultur während NS-Zeit

Die Debatte um eine CD mit Werken von Josef Eduard Ploner wird nun zum Anlassfall für die Aufarbeitung der Tiroler Volkskultur während der NS-Zeit.

Innsbruck – „Klingende Kostbarkeiten aus Tirol“ erweisen sich manches Mal als das genaue Gegenteil – beim genauen Hinhören gar als braune Kakophonie. Dann etwa, wenn sich das Institut für Tiroler Musikforschung mit der Musik von Josef Eduard Ploner „auseinandersetzt“ und in der Beschreibung mit keinem Wort erwähnt wird, dass ebendieser mit Gauleiter Franz Hofer sympathisierte, ein „Gauliederbuch“ fabrizierte und antisemitisches Liedgut komponierte.

Sind diese „Kostbarkeiten“ dann auch noch unter Nutzung von Steuergeldern ( Landesförderung) produziert und in CD-Form gegossen worden, dann ist man in der Tiroler Gegenwart angekommen.

„Die anhaltende Diskussion zeigt in Stil und Inhalt, dass eine wissenschaftlich fundierte und in den Ergebnissen anerkannte Aufarbeitung der Involvierung der Tiroler Volkskultur in das System und die Ideologie des Nationalsozialismus nicht vorliegt“, lässt nun – nach einiger Kritik an der Förderung für diese Produktion – Kulturlandesrätin Beate Palfrader in einer Aussendung wissen.

Aufarbeitung in größerem historischen Zusammenhang

Ebenso wenig gebe es für die Tiroler Volksmusik eine fundierte musikwissenschaftliche Wertung der in der NS-Zeit entstandenen oder von in den Nationalsozialismus involvierten Personen komponierten Werken, fährt Palfrader fort. Und nimmt dies zum Anlassfall in einem größeren historischen Gesamtzusammenhang die Tiroler Volkskultur während der NS-Zeit aufarbeiten.

Wissenschaftler muss man zwar nicht sein, um erfahren zu können, dass etwa Song Nummer acht auf der CD dem Gauleiter Hofer gewidmet ist („Das Land im Gebirge“), dennoch setzt das Land damit einen Schritt.

„Förderung überdenken“

Was den konkreten Anlassfall angehe, lässt Palfrader ausrichten, so habe man Professor Schneider vom Institut für Tiroler Musikforschung bereits angewiesen, Veröffentlichungen wissenschaftlich nicht abgesicherter und persönlicher Wertungen der Biographie und der politischen Haltung des Komponisten Ploner zu unterlassen, da dies den Eindruck erwecken könnte, NS-Gedankengut zu verharmlosen und zu rechtfertigen.

„Wenn das Institut in seiner Forschungstätigkeit die allgemeinen Standards musikwissenschaftlicher Forschung, die als Maßstab der Kulturförderung des Landes dienen, dauerhaft vernachlässigt, ist es notwendig, die Förderung zu überdenken,“ warnt die Landesrätin.

„Idealtypischer Tiroler“

Dass mit „Vernachlässigung“ 20 Seiten CD-Beschreibung gemeint sein können, in denen der Haus und Hofkomponisten von Gauleiter Franz Hofer als „geradliniger Menschen mit dem Charakter eines klassischen idealtypischen Tirolers“ beschrieben wird, bleibt zu hoffen. (tt.com)


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