Wenig Nutzen für 10.000 €

Spitzenmilitär: Rekruten kosten, bringen aber wenig. Darabos wirbt für Berufsheer.

Von Wolfgang Sablatnig

Klagenfurt –Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) war beeindruckt: „Wenn man diese Soldaten gesehen hat, ist niemandem zu helfen, der an der Einsatzfähigkeit des österreichischen Bundesheeres zweifelt“, sagte er nach einer Luftlandevorführung des Jägerbataillons 25 in Klagenfurt.

Das Bataillon spielt eine wichtige Rolle in den Berufsheer-Plänen des Ministers, soll es doch die erste Einheit des Heeres sein, die ohne Grundwehrdiener auskommt.

Brigadier Thomas Starlinger, dem Kommandanten der übergeordneten 7. Jägerbrigade, würden die Grundwehrdiener auch nicht abgehen: Bei der Vollkostenrechnung schlage ein Rekrut für die sechs Monate seines Dienstes mit 10.000 Euro zu Buche. 3800 junge Männer bilde seine Brigade aus, mache in Summe 38 Mio. Euro – und das „mit einem relativ geringen Nutzen für die Brigade“. Selbst bei Katastropheneinsätzen könnte er mit seiner Kaderreserve das Auslangen finden, sagt der Offizier.

10.000 Euro pro Rekrut – für das ganze Heer ergibt das mehr als 230 Millionen Euro. Geld, das Darabos „lieber heute als morgen“ in ein Profi- und Milizheer stecken würde – wenn der Koalitionspartner ÖVP nur zustimmen würde.

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Die Vorzeigetruppe in Klagenfurt soll so zumindest ein Beginn sein. „Es war ein langjähriger Wunsch im Heer, einen Verband aufzustellen, der nur aus Berufssoldaten besteht“, will der Minister den Eindruck vermeiden, das Pilotprojekt diene nur dem Berufsheer.

Mehr als die Hälfte der für seinen Musterverband nötigen 530 Zeit- und Berufssoldaten hat Bataillonskommandant Herbert Kraßnitzer schon beisammen, berichtete er dem Minister. In zwei Jahren soll er 90 Prozent erreicht haben und die volle Einsatzbereitschaft melden.

Bisher funktioniere das Rekrutieren gut. Darabos hofft, dass das auch bei einem Berufsheer so sein würde – auch dann, wenn die jungen Männer nicht über den Grundwehrdienst schon einmal Kontakt mit der Armee hatten. Denn die Stellung, bei der sich alle 18-jährigen Männer zur Untersuchung melden müssen, könnte bleiben – und sei es als Werbeplattform für das Berufsheer.


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