Die Heilbringer aus der Natur

Immer mehr Menschen begeben sich auf die Spuren ihrer Großmütter mit ihrem unerschöpflichen Wissen über die Wirkung der Kräuter. Der Botanische Garten in Innsbruck widmet der Heilkraft der Pflanzen nun eine umfassende Ausstellung.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Wussten Sie, dass es verschiedene Arten von Johanniskraut gibt, die nur Spezialisten wirklich voneinander unterscheiden können? Wer beim Sammeln nicht das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) findet, geht aber zumindest kein Risiko ein: „Schlimmstenfalls zeigen seine Kräuter einfach nur keine Wirkung“, sagt Cäcilia Lechner-Pagitz von der Grünen Schule im Botanischen Garten. Bei anderen Pflanzen dagegen kann ein Irrtum folgenschwer oder sogar tödlich sein.

Im Rahmen der Ausstellung „Hortus Medicus – Die Kraft der Pflanzen“ im Botanischen Garten in Innsbruck können Kräuter-Freunde ihr Wissen testen. So verbergen sich in einem der eigens angelegten Beete nicht nur Heilpflanzen, sondern auch zum Verwechseln ähnliche Arten. Wer sich im Pflanzenreich nicht wirklich gut auskennt, solle sich die Kräuter zur Herstellung von Tees, Tropfen oder Salben zur Vorsicht aber lieber in einer Apotheke besorgen, meint Lechner-Pagitz.

„Viele Menschen haben wieder begonnen, Heilpflanzen zu sammeln oder selbst in ihrem Garten anzubauen“, erzählt die Biologin. Doch auch Heilpflanzen haben Nebenwirkungen. So setze das als Wunderheilmittel für viele Krankheiten bekannte Johanniskrautöl etwa den natürlichen UV-Schutz der Haut herab oder vermindere die Wirkung der Antibabypille.

Besucher der Ausstellung bekommen auch Einblicke in die in einer Pflanze enthaltenen Wirkstoffe. Einzelne Substanzen können einander ergänzen und beeinflussen. So ist für die spezifische verdauungsfördernde Wirkung der Kamillenblüten das Zusammenspiel von entzündungshemmendem ätherischem Öl und krampflösenden Flavanoiden ausschlaggebend.

Die „Hochleistungsfabrik Pflanze“ kann aus einfachen Grundstoffen durch Biosynthese Hunderte chemische Substanzen erzeugen. Welche davon medizinisch verwendet werden und in welchem Teil der Pflanze diese zu finden sind, können Interessierte bei einem Schaukasten selbst ertasten: „Beim Fenchel sind es die Früchte, beim Kürbis die Samen und bei Granatapfel oder Orange die Schalen“, verrät Sabine Sladky-Meraner von der Grünen Schule.

Hippokrates (3. Jh. v. Chr.) habe gegen Schmerzen und Fieber einen Teeaufguss aus der Rinde der Weide verordnet. Das darin enthaltene Salicin – beinhaltet auch in Pappeln, im Stiefmütterchen und im Echten Mädesüß – war Ausgangsstoff für die Herstellung von Aspirin. Blätter, Stängel, Früchte und Wurzel der Großen Brennnessel werden zur Herstellung von Tees, Einreibungen, Spülungen, Extrakten und als Tonikum verwendet. Der Wurzelextrakt wird bei der Behandlung von Beschwerden bei gutartigem Prostatakrebs eingesetzt.

Die Ausstellung gewährt auch Einblicke in die Heilpflanzen anderer Kulturen. So ist die Schlafbeere „Ashwagandha“ eines der wichtigsten Arzneimittel in der Ayurvedischen Heilkunde. Wurzelextrakte sollen Nervensystem und Geist stärken, werden aber auch als Aphrodisiakum eingesetzt. Lechner-Pagitz: In der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt der Einjährige Beifuß „Quinghao“ als eines der wichtigsten kühlenden Mittel, als fertige Arznei wird es bei Malaria eingesetzt.

Entlang einer Zeitleiste können Besucher außerdem anhand einiger Meilensteine die Verwendung von Heilpflanzen bis zur modernen Phytotherapie durchschreiten (siehe Box unten). Die Ausstellung ist noch bis 10. Oktober geöffnet, nähere Informationen und Termine für Führungen unter http://www.uibk.ac.at/botany/botanical_gardens/.


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