Tyrolean verleiht AUA Flügel

Morgen übernimmt die Tyrolean den AUA-Flugbetrieb. Alle Flüge heben mit Klausel „operated by Tyrolean“ ab. Marketing-Chef Baumgartner geht. Swiss-Piloten verweigern Hilfe.

Innsbruck –Sonntag, der 1. Juli, ist Tag X für die AUA: Die Tyrolean übernimmt nach geplatzten Verhandlungen über neue Kollektivverträge (KV) den ganzen AUA-Flugbetrieb.

1Kosten: Die AUA beziffert die Kosten für den Betriebsübergang mit ca. 80 Mio. Euro. Fast 60 Mio. Euro entfallen auf die Abfertigungen jener 119 Piloten und 221 Flugbegleiter, die das Unternehmen verlassen. Das AUA-Bordpersonal wird über eine Unternehmensrichtlinie und Einzelverträge bei der Tyrolean neu angestellt. Fallen die teuren Gehaltssprünge aus dem alten KV weg, kann die AUA jährlich 45 Mio. Euro sparen.

2Klagen: Der Betriebsrat des AUA-Bordpersonals und die Gewerkschaft vida haben die Airline mit Klagen eingedeckt. Das Ziel: Das Gericht möge den Betriebsübergang auf die Tyrolean für nichtig erklären. Laut Betriebsratsanwalt Roland Gerlach könnten die Klagen sogar beim Europäischen Gerichtshof landen.

3Betriebsrat: AUA-Management und Betriebsräte drängen auf einen neuen, gemeinsamen KV. Unklar ist nach wie vor, welcher Betriebsrat für die Belegschaftsvertretung des künftig knapp 3000-köpfigen Bordpersonals zuständig ist. „Weil die Tyrolean den gesamten Flugbetrieb verantwortet, ist der Tyrolean-Bordbetriebsrat unser Ansprechpartner“, erklärte AUA-Sprecher Peter Thier. Dagegen brachte der AUA-Bordbetriebsrat eine einstweilige Verfügung ein, über die nächste Woche entschieden werden soll. Indes will das Management den AUA-Betriebsräten die Diensthandys abdrehen und die Betriebsrats-Büros zusperren. „Wir werden die Funktionen des AUA-Betriebsrates sukzessive zurückfahren“, so Thier.

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4Vorstand geht: Die AUA verliert eine weitere Führungskraft: Der Bereichsleiter des fliegenden Personals und Marketing-Chef Peter Baumgartner geht. Baumgartner hat einen Bereich mit mehr als 1600 Mitarbeitern verantwortet. Etwa 90 % davon, nämlich das Flugpersonal, fallen durch den Betriebsübergang weg.

5 Tyrolean-Markenname: Seit 2003 heben die 38 Tyrolean-Flieger mit dem Markennamen „Austrian Arrows“ ab. In neun Jahren hatte sich der Begriff nie durchgesetzt, die Regionaltochter blieb stets „die Tyrolean“. Künftig soll es nur noch eine Marke, nämlich Austrian bzw. AUA geben, forderte AUA-Boss Jaan Albrecht. Bis der Aufdruck ganz verschwindet, werden noch mehrere Monate vergehen. „Das wird bei den Wartungsarbeiten erledigt“, so Thier.

6Flugrechte: Das Luftverkehrsbetreiberzeugnis AOC bleibt bei Austrian. Sie beauftragt offiziell ab morgen die Tyrolean, alle AUA-Flüge in ihrem Namen durchzuführen („operated by Tyrolean“). Alle Länder, die von den Tyrolean-Fliegern noch nicht angesteuert worden sind, müssen dieser Konstruktion noch zustimmen. 80 % davon seien erledigt, heißt es bei der AUA.

7Firmenkultur: Das gesamte AUA-Bordpersonal trägt nun eine einheitliche Uniform. Doch die unterschiedlichen Kulturen von Tyrolean und AUA zu einen, gilt als Knochenjob. Die Mitarbeiter der beiden Flugbetriebe kennen und grüßen sich kaum, die Arbeitsprozesse sind voneinander abgeschottet. „Jede gut bewährte Firma beansprucht für sich, dass sie es besser kann, sie die besseren Systeme oder Prozesse hat“, erläutert Tyrolean-Boss Gaudenz Ambühl, „wir müssen nun behutsam herausarbeiten, welche Prozesse wir unabhängig ihrer Herkunft für den gemeinsamen Flugbetrieb brauchen.“

8Pilotenmangel: Nach dem Abgang von 119 Piloten hat die AUA vorerst über den Sommer zahlreiche Flüge ausgelagert, Tyrolean-Piloten werden umgeschult. Einspringen wird die Lufthansa u. a. bei Flügen nach Dubai, Düsseldorf oder Rom. Indes weigern sich die Swiss-Piloten, der AUA zu helfen. Lediglich ein Flugzeug der Swiss-Tochter Contact Air schicken die Schweizer. Die Swiss- Piloten berufen auf eine Klausel im Arbeitsvertrag, wonach sie nicht für andere Airlines fliegen, deren Mitarbeiter quasi in einem Arbeitskampf sind. Die Welcome Air fliegt für die AUA zwischen Salzburg, Klagenfurt, Linz und Wien. (bea)


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