Lebensgefährlich hohe Strahlung im AKW - Tepco hält an Atomkraft fest

Die Strahlung ist offenbar so stark, dass ein Mensch schon nach Minuten erkranken und in kurzer Zeit sterben würde. Der Energiekonzern Tepco rückt trotz des Fukushima-Unglücks nicht von seinen Plänen für Atomkraftwerke in Vietnam ab.

Tokio – Im Wrack des japanischen Atomkraftwerks Fukushima sind lebensgefährlich hohe Strahlungswerte gemessen worden. Der Energiekonzern Tepco teilte am Mittwoch mit, dass im Untergeschoss des Gebäudes von Reaktor Nummer eins Rekordwerte an Radioaktivität festgestellt worden seien. Die Strahlung sei so stark, dass ein Mensch schon nach Minuten erkranken und in kurzer Zeit sterben würde.

Nach nur 20 Sekunden unter solchem Strahlungseinfluss sei die zulässige Jahresdosis für Arbeiter des Atomkraftwerks erreicht. Aufgrund der radioaktiven Strahlung müsse der Abbau dieses Teils der Anlage mit Hilfe von Robotern erfolgen, teilte Tepco mit. Das Betreiberunternehmen hatte für die Messung eine Kamera und andere Utensilien über die Kanalisation in das Reaktorgebäude gebracht. Die dortigen Strahlenwerte sind zehn Mal höher als in den anderen beiden ebenfalls havarierten Reaktoren zwei und drei.

In den drei Meilern war es im März 2011 nach einem Stromausfall in Folge eines Erdbebens und eines Tsunamis zu einer Kernschmelze gekommen. Die vier Reaktoren in Fukushima sollen nun demontiert werden. Dazu muss wegen der hohen Strahlenbelastung noch Spezialtechnik entwickelt werden. Die Arbeiten dauern voraussichtlich 40 Jahre lang.

Tepco will an Atomkraft-Plänen festhalten

Für die neue Leitung des quasi verstaatlichten japanischen Energiekonzerns Tepco ist die Atomkraft dennoch weiterhin eine wichtige Säule des Geschäfts. „In den kommenden fünf bis zehn Jahren ist Tepco nicht ohne Atomenergie vorstellbar“, sagte Verwaltungsratschef Kazuhiko Shimokobe am Donnerstag. „Wir werden aber nicht weitermachen, ohne Sicherheitsgarantien abzugeben und die Menschen vor Ort einzubinden“, fügte er mit Blick auf die verschiedenen Kraftwerke des Unternehmens hinzu.

Berichten japanischer Medien zufolge will der Konzern zudem seine Expertise nicht mehr ins Ausland verkaufen. Tepco werde Pläne zur Belieferung und zum Betrieb zweier Atomkraftwerke in Vietnam zurücknehmen, berichtete die Zeitung „Mainichi Shimbun“ am Donnerstag. Es sei angesichts der Probleme im Inland „unmöglich“, an den geplanten Exporten festzuhalten, zitierte die Zeitung den neuen Tepco-Präsidenten Naomi Hirose.

Konzern quasi verstaatlicht

Tepco hat eine neue Führung, seit seine Aktionäre am Mittwoch zustimmten, das Unternehmen quasi zu verstaatlichen. Sie genehmigten eine Kapitalerhöhung, bei der Aktien im Wert von umgerechnet rund 10 Mrd. Euro an den staatlichen Fonds zur Entschädigung der Opfer der Atomkatastrophe vom März 2011 ausgegeben werden. Der Staat hält dadurch zunächst 50,11 Prozent an Tepco. Dies kann er zu einer Mehrheit von 75,84 Prozent ausbauen und den Atomkonzern dann komplett kontrollieren. Damit kann der Staat unter anderem den Unternehmenskurs bestimmen.

Tepco ist seit der Atomkatastrophe von Fukushima ruiniert. Der Konzern muss die mehr als 1,5 Millionen Opfer des Reaktorunglücks entschädigen und Fukushima abschreiben. Auch die Kosten für die Aufräumarbeiten trägt Tepco. Dazu kommt, dass das Unternehmen weiterhin für die Energieversorgung in Teilen des Landes zuständig ist, einschließlich der Millionenmetropole Tokio. Da derzeit kein Atomreaktor des Konzerns mehr am Netz ist, muss Tepco diese Versorgung über zum Teil recht alte Öl- und Gaskraftwerke leisten. (tt.com/APA/AFP)


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