Öl-Embargo der EU macht dem Iran schwer zu schaffen

Die iranischen Ölexporte brachen seit Ende 2011 bereits um 40 Prozent ein. Die stark gesunkenen Ölpreise erleichtern es der EU, den Iran unter Druck zu setzen.

Teheran - So hatte sich das die iranische Regierung bestimmt nicht vorgestellt: Die EU wird am 1. Juli wie geplant ihr Öl-Embargo gegen Teheran in Kraft setzen und somit die Achillesferse der iranischen Wirtschaft treffen. Alle Versuche, die Europäer im Rahmen der Atomgespräche rund um Irans umstrittene Urananreicherung umzustimmen, schlugen fehl.

Kein Problem, dachten sich die Perser und versuchten schon seit Monaten (das Embargo der EU wurde bereits im Jänner angekündigt) alternative Abnehmer für ihr Öl zu finden. Doch dies erwies sich schwieriger als zunächst gedacht. Schon jetzt sprechen die Zahlen eine ziemlich klare Sprache: Laut Internationaler Energie Agentur (IEA) brachen die iranischen Ölexporte seit Ende 2011 um 40 Prozent ein.

Das ist nicht der einzige Punkt, der dem schiitischen Gottesstaat Kopfzerbrechen macht: Das bevorstehende EU-Embargo betrifft auch Versicherungsgesellschaften in der EU, die Öltanker mit iranischem Öl gegen Verluste absichern. Letztere dürfen das bisher lukrative Irangeschäft künftig nicht mehr weiterführen. Fehlen diese Versicherungen, wird es für Teheran zunehmend schwerer, sein Öl nach Asien zu exportieren. Zwar gibt es Alternativen zu den Versicherungen aus Europa, doch ist mit der Umstellung ein großer bürokratischer Aufwand verbunden.

Als erstes asiatisches Land hat abseits der EU Südkorea Konsequenzen aus dem EU-Embargo gezogen: Wegen der fehlenden Versicherungen wird die Führung in Seoul zum 1. Juli seine Ölimporte aus dem Iran einstellen. Man habe die iranischen Lieferungen bereits durch Einfuhren aus dem Irak, Kuwait, Qatar und den Vereinigten Arabischen Emiraten ersetzt, hieß es in einer ersten Stellungnahme.

Indien hingegen will sich nach wie vor mit iranischem Öl beliefern lassen und hat deswegen sogar eine Ausnahmegenehmigung der USA erhalten, um trotz der Sanktionen durch die EU und Amerika weiterhin iranisches Öl zu erhalten. Den Persern die Stange halten auch die Japaner, die dortige Regierung übernimmt Garantien für die Tanker-Versicherungen.

Das wird nur ein schwacher Trost für Teheran sein, denn die in den vergangenen Wochen stark gesunkenen Ölpreise erleichtern es der EU, den Iran unter Druck zu setzen. Außerdem profitiert man davon bei der Suche nach alternativen Anbietern. Im Iran selbst schrillen indes die Alarmglocken: Vor dem EU-Embargo lieferte man etwa 18 Prozent seines täglichen Ölexports in Höhe von 2,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) nach Europa. Jetzt muss man sich schleunigst nach Alternativen wie China und Indien umsehen, um die EU-Ausfälle zu kompensieren. (APA)


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