Ohne Infusion weggeschickt

Der Funkbereitschaftsdienst in Innsbruck bietet ärztliche Betreuung am Wochenende. Eine Bandscheibenpatientin beschwert sich nun aber, sie sei abgewiesen worden.

Von Christian Willim

Innsbruck –Eigentlich war Eva Knapp ein Paradefall für den von der Ärztekammer organisierten Funkbereitschaftsdienst. Die 50-Jährige war keine Notfallpatientin, aufgrund eines Bandscheibenvorfalls benötigte sie jedoch eine Behandlung, die ohne Unterbrechung auch über das Wochenende weitergehen sollte. Der Hausarzt der Innsbruckerin hatte ihr tägliche Infusionen verschrieben, die von einem Arzt verabreicht werden mussten. Kein Fall für den Notarzt, kein Fall für die Klinik. Darum wurde Knapp von ihrem Hausarzt zum „Funkarzt“ geschickt, dem vom Roten Kreuz am Sillufer ein Behandlungszimmer gestellt wird (siehe Infobox). „Das hat zuvor auch schon einige Male reibungslos funktioniert“, gibt die Patientin unumwunden zu.

Umso verwunderter war sie dann über die Geschehnisse an einem Sonntag im Mai. „Nachdem ich 45 Minuten gewartet habe, hat mir die diensthabende Ärztin erklärt, dass sie mich nicht behandeln kann, weil ich mit meiner Infusion den Patientenablauf blockiere“, so Knapp. „Nach mir hat jedoch niemand gewartet.“ Dementsprechend groß sei ihr Ärger gewesen, weswegen sie eine Beschwerde an die Tiroler Ärztekammer verfasst hat. Die Antwort fiel aber nicht gerade zufriedenstellend aus. Die Situation sei von der betreffenden Ärztin konträr dargestellt worden. „Aufgrund dieser divergierenden Aussagen ist der Ärztekammer Tirol eine weitere Bearbeitung nicht möglich.“

Der TT-Ombudsmann wollte es etwas genauer wissen und hat selbst noch einmal nachgehakt. Denn dass bei einem Beschwerdefall der Kritisierte mitunter eine andere Sicht der Dinge hat, ist klar. Deshalb die Angelegenheit aber nicht weiterzuverfolgen, scheint wenig zielführend. Denn welchen Sinn hätten Beschwerden dann.

Kammeramtsdirektor Günter Atzl hat sich nochmals mit der Ärztin unterhalten. „Da es sich nicht um eine akute Behandlung handelt und sehr viel zu tun war, hat sie der Patientin gesagt, dass sie am Nachmittag wieder kommen soll“, so Atzl. Das streitet auch Knapp nicht ab. „Die Ärztin hat aber gemeint, dass es dann ‚vielleicht‘ geht. Ich konnte also nicht sicher sein, dass ich wirklich behandelt werde.“ Und das, obwohl der Hausarzt von Knapp die Infusionen offensichtlich für notwendig erachtet hat. Sonst hätte er diese wohl nicht verschrieben.

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