Spar verschärft in Innsbruck Druck, Angriff auf Platz 1

Spar-Tirol-Chef Christof Rissbacher bläst zur Aufholjagd in Innsbruck, will „weiße Flecken“ beseitigen und MPreis in Tirol vom Thron stoßen.

Innsbruck –Die Handelskette Spar verschärft in der Landeshauptstadt den Druck der Lebensmittelhändler. „Wir werden uns sehr stark um Innsbruck kümmern“, kündigte der neue Spar-Chef für Nordtirol und Salzburg, Chris­tof Rissbacher, im TT-Interview an. Der Tiroler löste im März Christoph Holzer an der Spar-Spitze in der Wörgler Zentrale ab.

Die Marktanteile in der Landeshauptstadt seien „verbesserungswürdig“, sagte Rissbacher. Konkrete Zahlen wollte er diesbezüglich nicht nennen. MPreis hat laut eigenen Angaben vor einigen Jahren Spar überholt, auf Platz drei rangiere Hofer.

Mit dem Innsbruck-Angriff nimmt Spar wohl auch die Rückeroberung des ersten Platzes im Ranking der Lebensmittelhändler ins Visier. Wann und wie genau Spar den Tiroler Konkurrenten vom Thron stoßen will, darüber gibt sich Rissbacher bedeckt. Nur so viel ist ihm zu entlocken: „Es ist ein spannendes Rennen.“ Tirol sei „sehr stark besetzt“ und man müsse sich sehr genau überlegen, wohin man gehe. „Schlimm wäre eine kopflose Expansion“, bemerkte Rissbacher.

Geplant seien in Innsbruck „einige“ neue Märkte. Derzeit gibt es 17 Spar-Geschäfte. „Wir haben den einen oder anderen Standort im Blickfeld“, erklärte Rissbacher. Erklärtes Ziel sei es zudem, mehr Innsbrucker in die Läden zu bekommen und sie dazu zu bringen, dort mehr einzukaufen. Vor allem jene, die lediglich hin und wieder zu Spar gehen, sollen zu regelmäßigen Kunden gemacht werden. Wie das gelingen soll, darüber äußerte sich Rissbacher nur vage. Er will die Mitarbeiter „fordern und fördern“, über sie soll Spar als „weltoffen und sympathisch“ wahrgenommen werden. Den urbanen Kunden will er außerdem das Sortiment mit Eigenmarken, Veggie-Linie oder der Premium-Schiene besser kommunizieren.

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Neben der Landeshauptstadt will Spar im Umland Innsbrucks einige „weiße Flecken“ in Angriff nehmen. In Rinn, Axams und Polling eröffnen neue Märkte.

Den Streit um den angeblichen „Österreich-Zuschlag“ bei den Lebensmittelpreisen kommentierte Rissbacher ebenfalls sehr zurückhaltend. Die Arbeiterkammer hatte zuletzt mehrfach Preisvergleiche veröffentlicht, wonach sowohl Markenartikel als auch einige Grundnahrungsmittel in Österreich etwa 10 % teurer seien als in Deutschland. Einen Austro-Zuschlag gebe es „in dieser Form“ nicht, sagte Rissbacher. Er verwies jedoch auf eine „andere Genusskultur“, in Österreich hätten Lebensmittel für die Menschen eine andere „Wertigkeit“ als in Deutschland. Man müsse beim Preisvergleich die unterschiedliche Qualität und Regionalität der Lebensmittel berücksichtigen, betonte Rissbacher. Qualität könne durchaus mehr kosten.

Bei der Sonntagsöffnung sieht Rissbacher keinen Handlungsbedarf. „Wir sind gegen eine generelle Öffnung der Läden am Sonntag. Nur an Sonderstandorten wie etwa Bahnhöfen, Flughäfen oder Tankstellen ist das interessant.“ Anders als zuletzt sein Vorgänger sieht er keine Notwendigkeit, in Innsbruck an den Randzeiten länger aufzusperren. „Eine 24-Stunden-Öffnung wird sich kein Mensch leisten können.“

Allerdings will auch Rissbacher das Geschäft mit den Tankstellen-Shops wie jenem in Wattens (mit Shell) intensivieren, die ja auch an Sonntagen und am späten Abend geöffnet halten dürfen. „Hier wird sich sicher einiges tun“, kündigte er an.

Spar hat in Nordtirol aktuell 167 Standorte, inklusive Osttirol (das zu Spar-Kärnten zählt) sind es 200 Geschäfte. Die Zahl der Mitarbeiter in Tirol stieg seit dem Vorjahr um 200 auf 3200. (va, wer)


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