„Es wird nicht alles so bleiben, wie es ist“

Eine Entscheidung über den künftigen ORF-Standort fällt frühestens im Herbst. Die ORF-Landesstudios fürchten massive Einsparungen.

Wien –Für den ersten Schritt ihrer Programmreform-Kette greift ORF-TV-Direktorin Kathrin Zechner auf einen bewährten Publikumsliebling zurück: Armin Assinger ist das Gesicht der neuen Doku-Soap mit dem Arbeitstitel „A-Team“, die ab Herbst jeweils mittwochs um 22 Uhr auf ORF eins laufen wird. Gemeinsam mit einem Juristen, zwei Bauprofis, einer Psychologin „und Hunderten freiwilligen Helfern“ wird Assinger Menschen in misslichen Lagen helfen, wie Zechner am Donnerstag bekannt gab.

Die „Millionenshow“ will Assinger auch weiterhin präsentieren, „da sind wir eingespielt, da wissen wir, wie der Hase läuft“, sagte der Moderator bei einer Pressekonferenz. Weitere Neuerung im Programm ist die neue Reportagereihe „Meine Welt“ mit Mari Lang, die ebenfalls am Mittwochabend laufen wird. Die Journalistin macht sich darin auf Entdeckungsreise in die Lebenswelten außergewöhnlicher Menschen und wird „für ein paar Tage in die Schuhe derer steigen, die wir zeigen“, sagte sie. Neu sind auch eine Art „Versteckte Kamera“ sowie ein tägliches Mittagsmagazin auf ORF 2, für das neben Brigitte Handlos auch Christian Hillinger verantwortlich zeichnet. Der Stiftungsrat hat die Programmschema-Änderungen der TV-Direktorin am Donnerstag laut Zechner „nicht nur einstimmig, sondern auch mit großer Begeisterung“ angenommen.

Mit vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen wurde im obersten ORF-Gremium auch eine Verschärfung der Corporate-Governance-Regeln festgelegt. Der Stiftungsrat hat die Konsequenzen aus der Causa Pelinka gezogen und eine zweijährige „Cool-off“-Periode für alle Stiftungsräte mit Ambitionen auf Führungsposten im ORF beschlossen. Demnach ist ein Wechsel der Stiftungsräte in den ORF für zwei Jahre nach einer Generaldirektorenwahl ausgeschlossen, für Betriebsräte gilt, dass sie zwei Jahre lang nicht in Direktorenposten aufsteigen dürfen.

Einstimmig wurde am Donnerstag indes der weitere Fahrplan in Sachen Standort verabschiedet. Dieser sieht vor, dass der ORF weiterhin an den Standorten Küniglberg und Argentinierstraße beheimatet ist, sollte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz keinen anderslautenden Antrag einbringen. Bis 13. September hat Wrabetz noch Zeit, das Ruder für den von ihm favorisierten Standort St. Marx herumzureißen. Doch derzeit sieht es nicht nach einer Mehrheit für einen Neubau aus, wie Wrabetz einräumte. Aber selbst wenn es bei der Beibehaltung der beiden Standorte ORF-Zentrum und Funkhaus bliebe, „wird nicht alles so bleiben, wie es ist“, so Wrabetz. „Die Fernsehwelt ändert sich so dramatisch, dass klar ist, dass man darauf reagieren muss“ – etwa mit völlig neuen Workflows und neuen Raumkonzepten, ergänzte der kaufmännische Direktor Richard Grasl. Grünes Licht gab es zudem für Phase eins der notwendigen statischen Sanierung des Küniglbergs, die rund zehn Millionen Euro kosten wird.

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„Lob und Anerkennung“ erntete laut der Stiftungsratsvorsitzenden Brigitte Kulovits-Rupp auch der Jahresabschluss 2011, der zum zweiten Mal hintereinander positiv war und bei dem ein Gewinn von 9,1 Millionen Euro vermeldet wurde. Die ORF-Mutter war im Vorjahr in den schwarzen Zahlen und bilanzierte mit 3,8 Millionen Euro im Plus.

Am Rande der Sitzung gab es noch einen schriftlichen Appell der Belegschaftsvertreter der ORF-Landesstudios an die Mitglieder des Stiftungsrates in Sachen Einsparungen. Nach Information der Betriebsräte sollen in den Landesstudios 90 Stellen gestrichen werden. „Wir ersuchen Sie, sich für eine Stärkung der Landesstudios und gegen die geplanten Maßnahmen einzusetzen sowie von der Geschäftsführung ein Zukunftskonzept für Landesstudios zu fordern, das die Aufgaben definiert, auf Struktur, Personal und Personalentwicklung Rücksicht nimmt und so die Leistungsfähigkeit der Landesstudios langfristig absichert“, heißt es in dem Schreiben. (APA, TT)


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