Produktion der Tirol Milch legt zu, Fokus auf Export

Die Tirol Milch hat im Vorjahr so viel produziert wie noch nie, die Integration in die Berglandmilch gilt für die Molkerei als Erfolgsrezept.

Von Beate Troger

Wörgl –Es ist exakt zwei Jahre her, dass die Tirol Milch nach schwierigen Jahren von der Berglandmilch aufgefangen wurde. Tirol-Milch-Obmann Stefan Lindner und Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer ziehen zufrieden Bilanz. „Die Tirol Milch ist in der Berglandmilch angekommen“, sagt Braunshofer. Die Standorte Wörgl und Lienz mit 300 Mitarbeitern seien gut ausgelastet, „die Tirol Milch hat noch nie so viel produziert wie jetzt.“ Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 10 Prozent mehr Milch abgefüllt, die Käseproduktion legte sogar um 20 Prozent zu.

2011 hatten die 3800 Tirol-Milch-Bauern rund 220 Millionen Kilo Milch angeliefert, 10 Millionen Kilo mehr als im Jahr zuvor. Die Berglandgruppe erzielte einen Umsatz von knapp 850 Mio. Euro, für die voll konsolidierte Tirol Milch werden keine Bilanzzahlen mehr ausgewiesen. Das frühere Problem der Versandmilch – zu den Milchlieferspitzen im Frühjahr mussten rund 60 Millionen Kilo Milch, fast ein Drittel der Jahresproduktion, zu Billigstpreisen nach Italien verkauft werden – habe man in der Gruppe gelöst. „Wir haben es geschafft, die gesamte Milchmenge in die Veredelung zu bringen“, sagt Obmann Stefan Lindner. So werde die überschüssige Milch für die Produktion von Eigenmarken der Handelsketten verwendet oder in andere Berglandmilch-Werke geliefert, erklärt Lindner. Die Existenzsorgen um das Lienzer Weichkäsewerk dürften der Vergangenheit angehören, die Berglandmilch hat die Produktion von fünf neuen Sorten nach Lienz verlegt, darunter neue Weichkäsestangerln. Weiters will die Tirol Milch heuer mit einer neuen Butter und Lattella-light mit Stevia punkten.

In der Berglandgruppe soll das Wörgler Werk verstärkt für die Käseproduktion genutzt werden, weitere Investitionen sind geplant. Bereits im Vorjahr wurden neue Käsefertiger und Käsewannen angeschafft. „Bergkäse passt einfach perfekt zur Marke Tirol Milch“, sagt Obmann Stefan Lindner.

Und mit dem Käse will die Berglandmilch auch den Export weiter ankurbeln: Vor allem nach Deutschland soll die Ausfuhr in den nächsten drei Jahren verdoppelt werden. Auch am holländischen und skandinavischen Markt will die Tirol Milch präsenter sein, „wir planen aber auch den Markteintritt in Griechenland und Nicht-EU-Ländern“, kündigt Braunshofer an. Nachdem sich viele Tirol-Milch-Bauern wegen einer intensiven Kampagne der Arge Heumilch diskriminiert gefühlt hatten, betont er, dass für die Molkerei alle Milchsorten gleichwertig seien. „Wir brauchen die Vielfalt.“ Den Großteil mache mit ca. 55 % die konventionelle gentechnikfreie Milch aus, ein Viertel sei Heumilch, Biomilch nehme einen Anteil von etwa 20 % ein, berichtet Lindner. Die Wahrnehmung, dass Bio- und Heumilch stark boomen, täusche, sagt Bergland-Boss Braunshofer. „Für die Bauern ist es sehr schwierig, die Produktion umzustellen“, ergänzt Obmann Lindner.

Der Bauernmilchpreis liegt derzeit bei 34,75 Cent brutto pro Kilo, mit diesem Wert soll für heuer die Talsohle erreicht sein, hofft Braunshofer.


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