Umfragen: Obamas Führung auf Romney schmilzt dahin

In allen aktuellen Umfragen kommt Herausforderer Mitt Romney gefährlich nahe an Barack Obama heran. Der „Amtsbonus“ des Präsidenten scheint endgültig verpufft zu sein.

Wien - Noch vor dem von allen Seiten mit Spannung erwarteten Urteil des Supreme Court über die Gesundheitsreform, Prestigeprojekt und letztlich einzig verbliebene große Reform der ersten Amtszeit Barack Obamas als US-Präsident, zeigen aktuelle Umfragewerte, dass Obama kaum noch auf eine Art „Amtsbonus“ zählen kann. Seit Monaten zeigen ihn die Auswertungen sämtlicher nennenswerter Meinungsforschungsinstitute nur mehr derart knapp in Führung liegen, dass die wenigen Prozentpunkte, die ihn von seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney trennen, sämtlich in den Bereich der statistischen Fehlerquote fallen.

Mit einer eher als „Ausreißer“ zu betrachtenden Ausnahme - Bloomberg sah Obama vor knapp zwei Wochen 13 Prozentpunkte vorne - liegt der Amtsinhaber in den einzelnen Umfragen ein bis maximal vier Prozentpunkte vor seinem Kontrahenten. Die US-Website www.realclearpolitics.com, die laufend Durchschnittswerte aus allen aktuellen Erhebungen errechnet, gibt Obama derzeit gerade drei Punkte Vorsprung - kaum etwas, was noch ein „Amtsinhaberbonus“ genannt werden kann.

Außerdem wäre dem sehr speziellen US-Präsidentschafts-Wahlsystem zufolge nicht einmal ein deutlicherer Vorsprung ein Garant für einen späteren Wahlsieg - wie zuletzt im Jahr 2000 der Demokrat Al Gore schmerzlich erfahren musste, als er zwar landesweit die meisten Stimmen einfahren konnte, sein Gegner George W. Bush aber die Mehrheit der Wahlmänner-Stimmen erhielt und US-Präsident wurde.

Das ist möglich, weil die Anzahl der Wahlmänner und -frauen in den meisten US-Staaten nach wie vor nicht proportional zum Stimmenanteil aufgeteilt wird: Der Kandidat, der die meisten Wählerstimmen erhält, bekommt dort alle Wahlmänner-Stimmen seines Staates. Stimmen, die die Kandidaten in Staaten erhalten, in denen sie unterliegen, sind also verloren, da sie auf nationaler Ebene nicht zählen. In Staaten, in denen ein politisches Lager klar dominiert, ist der Ausgang der Wahl deshalb schon im Vornherein klar - so in Kalifornien, das traditionell demokratisch wählt, oder in Texas, das seine Stimmen den Republikanern gibt.

Letztendlich können also nur die unentschiedenen Staaten das Pendel auf die eine oder andere Seite ausschlagen lassen. Deshalb konzentrieren die Präsidentschaftskandidaten ihre Wahlkampagne auf genau diese „Swing States“. Die gegenwärtigen Bilder zeigen, dass Obama auch in vielen Staaten, in denen er sich vor vier Jahren gegen John McCain durchsetzen konnte, wieder „von vorn beginnen“ und die Mehrheit neuerlich erkämpfen muss. (APA)


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