Virtuos erzeichnete Räume

Werkstattflair im Innsbrucker aut: neun Projekte des portugiesischen Architekten Álvaro Siza aus den letzten 20 Jahren.

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Dass Álvaro Siza bei der heurigen Architekturbiennale in Venedig den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhalten wird, hat aut-Chef Arno Ritter erst einen Tag vor der gestrigen Eröffnung der Werkschau des großes portugiesischen Architekten erfahren. Für Ritter „ein witziger Zufall“, kuratiert er doch eben bei dieser Biennale den österreichischen Beitrag.

Gewürdigt wird mit dem Goldenen Löwen im Speziellen „die Experimentierfreude“ Sizas, der am Montag dieser Woche 79 Jahre alt geworden ist. Und da Siza ein Vielbauer war bzw. ist, beschränkt sich die Schau auf neun – u.a. in Südkorea, Portugal, Brasilien und Deutschland realisierte – Projekte aus den vergangenen 20 Jahren. Kuratiert von Rudolf Finsterwalder, der als junger Architekt im Büro Siza gearbeitet hat. Und somit hautnah weiß, wie dieser tickt. Was sich auch in der Gestaltung der Schau niederschlägt, die das ganz spezielle Flair von Sizas Büro transportieren soll.

Und so hängen an den Wänden große Fotos der Projekte bzw. sind Pläne gepinnt, auf Tischen, deren Platten wie riesige Blätter weißen Papiers daherkommen, liegen Skizzen bzw. stehen Modelle aus Karton. Womit klar ist: Álvaro Siza ist ein Verweigerer des Computers. Seine Architekturen erdenkt er zeichnend, die räumliche Umsetzung passiert Schritt für Schritt über Modelle. In die er oft auch noch hineinzeichnet. Denn Siza ist ein Perfektionist. Jedes Detail muss passen, die handwerkliche Perfektion der Ausführung ist für ihn absolut nicht verhandelbar.

„Sizas Bauwerke sind eine Freude für den Geist und die Sinne“, so die Jury anlässlich der Verleihung des Pritzker-Preises 1992 an ihn. Die Arbeiten, die im aut präsentiert werden, sind allerdings erst nach der Zuerkennung dieses „Nobelpreises“ der Architektur entstanden. Die für Finsterwalder seine besten sind. Werde er doch zunehmend freier, leichter, formal virtuoser, räumlich komplexer, total losgelöst von Vorbildern wie Mies van der Rohe oder Le Corbusier.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Jede der Architekturen von Siza ist speziell für den Ort, seine Geschichte, die Landschaft erfunden. Als komplexes Miteinander von innen und außen, voller Blickachsen, Ein- und Ausblicke, Bedeutungen. Sinnlich geschwungene Linien tauchen in mehreren dieser Projekte auf, deren Maß immer der Mensch ist.

Reisen ist Siza ein Gräuel. Selbst die Welzenbacher-Architektur des aut konnte ihn nicht nach Innsbruck locken. In zwei im Rahmen der Schau gezeigten Filmen kommt er allerdings ausgiebig zu Wort.


Kommentieren


Schlagworte