Sieben Leguane im Gartenhaus

Hannes Zorn ist der einzige Tiroler, der erfolgreich die seltenen Chuckwalla-Leguane züchtet. Zwei seiner Tiere werden sogar bald an den Rotterdamer Zoo überstellt werden.

Von Judith Sam

Weerberg –Sollte sich jemals ein Einbrecher Zugang zu Hannes Zorns Gartenhaus beschaffen, wird er äußerst überrascht sein. Dort sind nämlich weder Schaufeln noch Blumentröge zu finden. Stattdessen würde der ungeladene Besucher von sieben bis zu 1,3 Meter langen Leguanen empfangen werden.

„In dem 40 Quadratmeter großen Gartenhaus in Weerberg habe ich den natürlichen Lebensraum von Leguanen nachgebaut. Hier wohnen ein grüner Leguan und sechs Chuckwallas“, schildert Zorn nicht ohne Stolz. Weltweit leben nur noch knapp 9000 dieser Chuckwallas – Leguane, die ursprünglich von der mexikanischen Insel „Isla Ángel de la Guarda“ stammen.

„Die meisten meiner Bekannten und Nachbarn besitzen Schafe, Hunde oder Katzen. Das ist auch naheliegend, wenn man mitten in Tirol wohnt. Trotzdem sind die Besucher begeistert, wenn sie die Leguane sehen“, erklärt Zorn, während er die Türe seines Gartenhäuschens öffnet. 45 Grad warme Luft und hohe Luftfeuchtigkeit schlagen ihm entgegen. Der Raum ist dekoriert mit Kakteen, Kunstfelsen, Quarzsand und Ästen.

Der zweifache Vater befüllt das „Schwimmbecken“ der Leguane mit frischem Wasser und entfernt Exkremente mit einem Schäufelchen, wie bei einem Katzenklo, bevor er eine der Echsen von einem Ast pflückt. Das verläuft nicht ganz reibungslos, denn sie verhakt ihre Krallen im Holz. „Chuckwallas sind nachtragend“, weiß der Koch. Die Echsendame musste er kürzlich recht rabiat aus dem Haus holen, weil eines der Fenster erneuert wurde. Seitdem sei sie ein wenig beleidigt. Als sie dann doch endlich auf seiner Schulter thront, krault der 38-Jährige vorsichtig ihren warmen Körper.

Um sie zu besänftigen, reicht er ihr ein Stück Erdbeere: „Chuckwallas lieben frische Früchte.“ Überhaupt seien seine Exoten Vegetarier: „Sie ernähren sich von Gräsern, Blumen, Gemüse und Früchten. Nur zweimal im Jahr serviere ich jedem eine Heuschrecke.“

Sein amphibisches Engagement dient allerdings nicht nur der Unterhaltung: „Im natürlichen Lebensraum der Chuckwallas können sie kaum überleben. Das Klima wird kälter, nasser und rauer. Die Eier werden wegen der Nässe des vielen Regens kaputt, noch bevor junge Chuckwallas schlüpfen können.“ Es wäre nur noch eine Frage der Zeit, bis sie zu den bedrohten Arten zählen würden.

Daher züchtet Zorn die seltenen Leguane: „Das ist eine Kunst für sich. Anfangs scheiterten meine Zuchtversuche.“ Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Umgebung müssten perfekt passen. Mittlerweile kann er allerdings bereits mehrere gesunde Jung-Chuckwallas aus eigener Zucht vorweisen. In einem Brutkasten im „Leguanraum“ in Zorns Wohnhaus werden derzeit 14 Chuckwalla-Eier umsorgt. „Ich habe so viele Interessenten für die Echsen, die bald schlüpfen werden, dass ich ein richtiges Casting mit den potenziellen neuen Besitzern machen kann“, beschreibt er.

Zwei der Tiere werden etwa an den Zoo in Rotterdam geliefert werden. „Die Liste der Interessenten zieht sich quer durch Europa“, aber nicht jeder käme in Frage. Bevor Zorn seine Tiere mit einer auf internationale Tiertransporte spezialisierten Logistikfirma auf Reisen schickt, müssten die Kunden beweisen, dass sie die Chuckwallas artgerecht halten werden: „Erschreckend viele Reptilien leben nämlich in unwürdigen Verhältnissen – auch in Tirol.“ Um dem entgegenzuwirken, gründete er einen Reptilienverein: „Amphibienbesitzer können sich online mit Fragen an uns wenden (unter: hannes.z@live.at). Außerdem planen wir eine Auffangstation für ausgesetzte Reptilien.“

Auch an seinen privaten Echsen-Plänen feilt er noch: „Ein Galapagos-Landleguan würde super zu uns passen. Allerdings kostet der 15.000 Euro.“ Mit verträumtem Blick ergänzt er: „Und vielleicht werde ich eines Tages Chuckwallas aus Tirol in deren ursprünglichen Lebensraum in Mexiko ansiedeln. Das wäre, als würde ein Mexikaner Gämsen nach Tirol bringen.“


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