Plagiatsaffäre von Rumäniens Premiere Ponta weitet sich aus

Der Unterrichtsminister soll den Regierungschef begünstigt haben. Ponta streitet den Betrugsversuch ab.

Bukarest – In der Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit des rumänischen Premiers Victor Ponta von den Sozialdemokraten (PSD) gibt es einen neuen Eklat. Am Donnerstagabend griff der interimistische Unterrichtsminister Liviu Pop ohne jede Vorankündigung in die Zusammensetzung des Nationalrats für die Anerkennung von Universitätsdiplomen (CNATDCU) ein, die am morgigen Freitag eine offizielle Untersuchung von Pontas Doktorarbeit einleiten soll. Pop rechtfertigte die Maßnahme mit der Ineffizienz der Kommission, während Kommentatoren darin einen klar erkennbaren Versuch des Premiers sehen, sich ein für ihn günstiges Urteil zu sichern.

Ponta war vergangene Woche von der internationalen Presse im Zusammenhang mit seiner 2003 an der Universität von Bukarest abgeschlossenen rechtswissenschaftlichen Dissertation des Plagiats bezichtigt worden. Er streitet den Betrugsversuch ab und erklärte, dass er die Quellen zwar nicht auf den einzelnen Seiten, wohl aber im allgemeinen Literaturverzeichnis erwähnt habe.

Ponta hatte vor wenigen Wochen bereits die Mitglieder der Ethikkommission durch PSD-treue Personen austauschen lassen, kurz bevor diese Kommission Ermittlungen gegen den Ex-Unterrichtsminister Ioan Mang (PSD) einleiten sollte, der wenige Tage nach Amtsantritt infolge von sich häufenden Plagiatsvorwürfe zurücktreten musste. Anders als im Falle der Ethik-Kommission wurde das CNATDCU zwar nicht ausgetauscht, jedoch um 25 weitere Mitglieder erweitert.

Während Ponta in Rumänien wiederholt erklärt hatte, auf seinen Doktortitel, nicht aber auf sein Amt zu verzichten, wenn sich die Anschuldigungen bestätigen sollten, erklärte er am Donnerstag in einem Interview für El Pais, dass er sich „selbstverständlich zurückziehen“ würde - eine Aussage, die laut Kommentatoren dadurch zu erklären sei, dass er sich angesichts der getroffenen „Vorsichtsmaßnahmen“ „sicher fühle“.

Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät trat zurück

Indes gibt es in der Plagiatsaffäre auch einen ersten Rücktritt. Am Donnerstag verzichtete der Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Bukarest, Flavius Baias, auf seine Funktion. Vor einer Woche hatte die Führung der Universität ihn aufgefordert, eine möglichst aus internationalen Experten zusammengesetzte Kommission einzuberufen, die über die Plagiatsvorwürfe entscheiden sollte. Am Mittwoch hatte Baias erklärt, dass dies nicht im Kompetenzbereich seiner Fakultät liege. (APA)


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