Bezirksmuseumsverein wird komplett entschuldet

100.000 Euro fürs Schloss und heftige Kritik an LR Palfrader: Der Museumsverein wirbelte im Landecker Gemeinderat Staub auf.

Von Matthias Reichle

Landeck –Das Schloss Land­eck hat in seiner Geschichte bereits viele Kämpfe gesehen. Nicht weniger heftig – wenn auch verbal geführt – verlief die letzte Auseinandersetzung rund um die 381.751 Euro hohen Schulden des Bezirksmuseumsvereins. Bei der Gemeinderatssitzung Donnerstagabend besiegelten die Mandatare mit drei Gegenstimmen – eine aus der ÖVP, zwei aus der SPÖ – eine weitere Finanzspritze der Stadt in Höhe von 100.000 Euro. Sie folgten dabei der Forderung von Kulturlandesrätin Beate Palfrader, die die Summe zur Bedingung für den 250.000 Euro schweren Zuschuss des Landes zum Schuldenabbau und die Auszahlung der Jahresförderungen von 2011 und 2012 gemacht hatte.

Der Bezirksmuseumsverein ist damit entschuldet. Mehr als dies wirbelte aber die zweite Forderung der Landesrätin – nämlich die Entlassung von Museumsgeschäftsführerin und Ex-SPÖ-Kulturstadträtin Eva Lunger – Staub auf.

„Als Vorstand des Museumsvereins war ich gegen diese Bedingung“, betonte BM Bertl Stenico (SPÖ), „ich halte sie für unverschämt und unmenschlich.“ Das Land hätte andere Möglichkeiten gehabt, auf den Verein einzuwirken. Danach streute er Lunger Rosen.

„Es lässt sich im Nachhinein einiges schönreden“, konterte Vize-BM Herbert Mayer (ÖVP). „Mir wäre lieber gewesen, das Land hätte 350.000 Euro übernommen“, betonte er und forderte, dass das Museum einen Teil des 100.000-Euro-Beitrags der Stadt übernehmen solle.

Viel Kritik an Palfrader kam aus der SPÖ: „Für mich ist die Politik zu Ende“, kommentierte GR Richard Rainalter (SPÖ) das Vorgehen, Lunger zunächst aus dem Gemeinderat zu entfernen und jetzt „der Frau noch eine Watschn zu geben“. GR Ahmet Demir (Grüne) schlug sogar vor, die 250.000 Euro des Landes zurückzuweisen. Auch GR Jakob Egg (ÖVP) kritisierte den Eingriff in den Verein: „Ich bin mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden.“ Und GR Doris Sailer (ÖVP) lobte die Arbeit von Lunger. „Es ist beschämend und schäbig, was sich da abgespielt hat“, polterte StR Hubert Niederbacher (SPÖ), „Lunger ist ein Bauernopfer. Sie wird menschlich erniedrigt.“ „Am liebsten würde ich hinausgehen, den Schlüssel hinwerfen und sagen, mit diesen Leuten möchte ich nichts mehr zu tun haben“, verkündete er sehr emotional.

Als „empörend“ bezeichnete GR Monika Rotter (SPÖ), die Rücktrittsforderung: „Für mich sind die 250.000 Euro des Landes ein Kopfgeld“, betonte sie.

Ein „unmoralisches Angebot, nah an Erpressung“, nannte es Vize-BM Manfred Jenewein (SPÖ). „Ich hoffe, jetzt ist genug oder muss Eva Lunger auch noch die Stadt und das Land verlassen.“ Keine Rede sei davon, wer aller im Vorstand des Museumsvereins ist, vom „Obmann, Kassier und Kassaprüfer“, betonte er. Hier wurden auch Thomas Hittler und Hansjörg Unterhuber ins Spiel gebracht, die als Mitglieder der ÖVP-Fraktion auch Funktionen beim Museumsverein innehaben. Mayer erinnerte daran, dass Hittler seinerzeit das Amt des Bauausschuss-Obmanns rund um die Schlosssanierung aus Zeitmangel zurückgelegt hatte, GR Andreas Pfenniger (SPÖ), dass er nur eine Sitzung besucht hatte und als Vorstand noch bei keiner Vorstandssitzung des Vereins dabei war.


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