Junge Mutter versucht, die Kinder im Dorf zu halten

Alle kleinen Hinterhornbacher müssen in Vorderhornbach den Kindergarten und die Volksschule besuchen. Nicht allen gefällt das.

Von Helmut Mittermayr

Hinterhornbach –Vor Jana Lechleitner liegt ein kleiner Zettel auf dem Küchentisch, auf dem sie akribisch genau festgehalten hat, wo überall in Hinterhornbach derzeit kleine Kinder die Häuser mit Leben füllen. Genau kann sie jeden einzelnen „Fall“ schildern und kommt auf die Zahl fünf. Die zweifache Mutter hat ein großes Anliegen. Ihr will es nicht in den Kopf, wieso die Kleinsten schon so früh den Ort verlassen, hin- und herpendeln und im sechs Kilometer entfernten Vorderhornbach den Kindergarten besuchen müssen.

„In Vorderhornbach gibt es derzeit nur ein Kind in diesem Alter, bei uns fünf. Aber unsere Kinder müssen den Ort verlassen“, schüttelt sie den Kopf. Zumindest in einem Jahr müssten doch die Rahmenbedingungen zu schaffen sein, einen Kindergarten – den es in Hinterhornbach allerdings noch nie gegeben hat – zu eröffnen.

Im Jahr 2003 wurde die Schule in Hinterhornbach mangels Schülern geschlossen. Die Volksschule besucht der Nachwuchs aus dem hinteren Tal deshalb nun auch in Vorderhornbach. „Aber jetzt haben wir einen Babyboom“, hält Jana Lechleitner entgegen. „Die Gemeindever­antwortlichen müssen doch alles tun, um die Kinder so lange wie möglich im eigenen Ort zu halten“, appelliert sie an den Gemeinderat. Ein schriftliches Ansuchen von ihr erhielt allerdings keine positive Antwort.

„Der Gemeinderat wird sich aber noch einmal mit der Problematik beschäftigten“, sagt Bürgermeister Martin Kärle. Er will seinen Mandataren nicht vorgreifen, der jungen Mutter aber keine großen Hoffnungen machen: „Die Räumlichkeiten der Schule sind zwar da und praktisch auch frisch renoviert. Aber alles ist auf einen Schulbetrieb ausgelegt, die nötigen Einrichtungen für einen Kindergarten fehlen komplett. Und die Gemeinde hat überhaupt kein Geld.“ Kärle verweist auch darauf, dass der Kindergarten in Vorderhornbach gerade erst zu einem ganzjährigen, ganztägigen Hort ausgeweitet wurde. „Wenn unsere Kinder nicht mehr kommen würden, müssten sie sofort schließen und ihre Kinder zu uns oder nach Stanzach schicken. Und was ist in fünf Jahren? Wer weiß, ob der Boom bei uns im Dorf schon wieder vorüber ist“, gibt Kärle zu bedenken.

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Für Jana Lechleitner zählt das nicht, sie interessiert das Jetzt. Ihr ist klar, dass man auf so manches in einem kleinen Dorf mit 92 Einwohnern verzichten muss. Dass es etwa keinen Spielplatz gebe – das sei zu verkraften. Die gebürtige Slowakin, die vor vier Jahren für einen Sommerjob und zum Deutschlernen als Wirtschaftsstudentin in das Lechtalseitental kam und die die Liebe nicht mehr gehen ließ, hofft auf österreichische Qualitäten. „Ich weiß, was in der Slowakei alles nicht geht. Aber hier ist alles machbar, wenn die Menschen es nur wollen“, glaubt die 26-Jährige weiter an eine Chance.


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