Beschneidung: Kinder landen bei Pfuschern

Beschneidung bei Buben ist rechtswidrig. Das deutsche Urteil sorgt in Tirol für Diskussionen, weil viele Eingriffe illegal sind.

Von Brigitte Warenski

Innsbruck –Die rituelle Beschneidung von Buben jüdischen und islamischen Glaubens ist rechtswidrig und daher illegal. Das jüngste Urteil des Landesgerichts in Köln sorgt auch hier für Aufregung. In Tirol leben immerhin rund 30.000 Muslime, deren Söhne laut Islam bis zum 13. Lebensjahr beschnitten werden müssen. Da die heimischen Kliniken die Beschneidung zwar aus medizinischen, aber nicht aus religiösen Gründen vornehmen und der Eingriff in einer Privatordination in Österreich teuer (rund 1000 Euro) ist, landen viele Kinder bei Pfuschern. Das bestätigt auch Josef Oswald, Kinderurologe an der Innsbrucker Klinik und Arbeitskreisvorsitzender für Kinderurologie der Österreichischen Gesellschaft für Urologie (ÖGU). „Es ist leider so, dass viele Eingriffe nicht von Ärzten gemacht werden.“

Laut Oswald werden die Buben meist beim Heimaturlaub in der Türkei beschnitten und „hier gibt es oft Masseneingriffe unter unwürdigen Bedingungen“. Die Eingriffe seien kosmetisch bedenklich, auch werde oft ohne Narkose die Vorhaut entfernt. „Das ist äußerst schmerzhaft und viele Kinder sind nachher ihr Leben lang traumatisiert“, weiß Oswald. Damit die muslimischen Familien in Zukunft nicht mehr in die Illegalität getrieben werden, kann sich Oswald vorstellen, dass sich die österreichischen Kliniken für die rituelle Beschneidung öffnen. „Ich weiß, dass das ein heikles Thema ist, zumal ja die gesamte Gesellschaft damit einen Teil der Kosten mittragen müsste.“ Schlecht findet Oswald, dass das jüngste Urteil die Beschneidung allgemein in Verruf bringt. „Sie hat nur Vorteile, denn die Vorhaut ist Träger für HIV- und HPV-Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können.“

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