Beschlüsse sorgen für Euphorie an Märkten - Dax und Euro heben ab

Der Euro stieg um fast zwei US-Cent auf 1,2626 Dollar und auch bei Kupfer, Gold und Öl griffen die Investoren beherzt zu. Die Anleger sind offenbar überrascht von den weitreichenden Einigungen.

Frankfurt - Die überraschende Einigung der Euro-Politiker auf weitreichende Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise hat die Finanzmärkte euphorisiert. Die Börsen in Europa legten am Freitag deutlich zu. Der Euro stieg zeitweise um fast zwei US-Cents auf 1,2626 Dollar und auch bei Kupfer, Gold und Öl griffen die Investoren beherzt zu. „Kaum einer hat damit gerechnet, dass bei dem EU-Gipfel etwas Substanzielles herauskommt, daher ist die Freude jetzt erst einmal groß,“ sagte ein Händler.

Um eine Eskalation der Euro-Krise zu verhindern, soll der Rettungsfonds nach Einführung einer zentralen Bankenaufsicht angeschlagene Banken künftig direkt mit Kapital versorgen können. Zudem ist der Weg für einen EU-Wachstumspakt frei, mit dem 120 Mrd. Euro an Investitionen mobilisiert werden sollen. Damit würden die Hilfsmaßnahmen für Euro-Sorgenkinder Italien und Spanien verstärkt, urteilte Dariusz Kowalczyk, Volkswirt der Credit Agricole CIB.

Der deutsche Leitindex Dax verbuchte mit einem Plus von zeitweise 2,7 Prozent auf 6.317 Punkte den größten Tagesgewinn seit Anfang Jänner. Damit rettet er sich auf Wochensicht ins Plus. Auch der italienische und der spanische Leitindex legten mit 4,2 und 3,5 Prozent deutlich zu. In Wien gewann der ATX am Vormittag mehr als zwei Prozent.

Anleihenzinsen Italiens und Spaniens fallen

Am Rentenmarkt war die Freude über die Beschlüsse ebenfalls deutlich zu spüren: Die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen gingen deutlich zurück. Spanische Bonds wurden mit 6,517 Prozent verzinst nach 6,915 Prozent im Vortagesgeschäft. Ihre italienischen Pendants fielen knapp unter die Sechs-Prozent-Marke.

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Viele Analysten gingen allerdings nicht davon aus, dass die Euphorie an den Märkten lange anhalten dürfe: „Die Kursentwicklung geht über das hinaus, was gerechtfertigt ist“, hieß es in einem Kommentar der Citigroup. Es bedürfe Klarheit darüber, wie und in welchen Fällen Regierungen den ESM in Anspruch nehmen könnten. „Wenn es nur zur Rekapitalisierung von Banken ist, wäre es nicht weitgehend genug, um die zugrundeliegenden Belastungen zu lindern.“ Auch Tim Waterer, Händler bei CMC Global Markets, merkt an: „Die Details zum Zeitrahmen der Umsetzung dieses Plan wird darüber entscheiden, ob die aktuellen Kursgewinne nachhaltig sind.“

Aktien der Bankinstitute deutlich gestiegen

Am deutschen Aktienmarkt profitierten vor allem die Finanzwerte von der Hoffnung auf rasche Fortschritte im Kampf gegen die Euro-Krise. Deutsche Bank und Commerzbank verteuerten sich um 3,5 beziehungsweise 2,8 Prozent. Seit Monatsbeginn haben sie 7,5 beziehungsweise 5,7 Prozent verloren. Der europäische Bankenindex rückte um 3,7 Prozent vor. Auch italienische und spanische Institute zogen spürbar an: So schnellten Caixabank, BBVA, Intesa Sanpaolo um mehr sechs Prozent nach oben. „Da den Banken ja nun direkt ohne den Umweg über den Staat geholfen werden kann, scheint auch der Abschreibebedarf auf Staatsanleihen gesunken zu sein“, sagte ein Händler. „Das nimmt ordentlich Druck aus dem Kessel.“ (APA/Reuters)


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