Corgan der Tyrann

Die Smashing Pumpkins steigen mit „Oceania“ aus der Versenkung auf. Mit neuen Bandmitgliedern, aber demselben Despoten als Frontmann.

Von Sabine Theiner

Innsbruck –Billy Corgan von den Smashing Pumpkins hat einen grottenschlechten Ruf. Er gilt als egoistisch, cholerisch, despotisch, zynisch, tyrannisch und hat dabei noch eine ausgeprägte Veranlagung zur Provokation. Sharon Osbourne, Frau von Ozzy und ehemalige Managerin der Band, schmiss den Job, weil Corgan sie laut eigener Aussage krank mache.

Und neulich verkündete er in einem Anflug von Größenwahn, er würde auf die Kollegen von Radiohead „pissen“, wegen deren „Wichtigtuerei“. Darüber, wie er seine wechselnden Bandmitglieder behandelte, kursieren wüste Gerüchte. Fakt ist, dass von den alten Pumpkins nur noch Corgan selbst übrig geblieben ist und das aktuelle Album „Oceania“ mit neuen Musikern eingespielt wurde: Mit Jeff Schroeder an der Gitarre, Mike Byrne am Schlagzeug und Nicole Fiorentino an Bass und Mikrofon.

Die „alten“ Pumpkins, also James Iha, D’Arcy Wretzky, Jimmy Chamberlin, Ginger Reyes und Melissa Auf Der Maur, sind längst raus. In diversen Interviews zum neuen Album wird Corgan nicht müde zu betonen, seine Musiker hätten wesentliche Beiträge zum neuen Album geliefert. Imagepolitur? Zweifelhaft, da die neuen Pumpkins wie die alten klingen – höchstwahrscheinlich weil Corgan, der Alleinherrscher, selbst noch da ist. Wohl deswegen ist der Sound immer noch bombastisch, progressiv, episch und punktet mit makellosen Melodien.

„Oceania“ ist Teil des epochal angelegten Werkes „Teargarden By Kaleidyscope“. Ursprünglich plante Corgan, die 44 Songs dieses Zyklus in Viererpaketen auf der Bandseite zum Download anzubieten. Er wollte damit aus dem Korsett der großen Musiklabels ausbrechen, musste aber feststellen, dass die veröffentlichten EPs nicht den erhofften Anklang fanden. Deshalb kommt jetzt „Oceania“ quasi als ein Album innerhalb des Teargarden-Oevres. Alle Songs, so ließ er verlautbaren, würden thematisch den Tarot behandeln. Allerdings lässt sich kein Zusammenhang feststellen, weshalb Kritiker meinen, „Oceania“ wären einfach die besten Songs aus dem Teargarden und Corgan rede Blödsinn. Wie dem auch sei: Es ist das erste Album nach dem recht laschen „Zeitgeist“ von 2007.

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Ob die neuen Pumpkins mit der neuen Platte ebensolche Sphären erreichen werden wie die alten mit „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ (1995), bleibt abzuwarten. Corgan ist sich indes sicher. Natürlich!


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