Ja zu neuer Piste und Lift bringt Umweltanwalt in Rage

Wieder sorgen Ausbaupläne des Zillertaler Liftunternehmers Heinz Schultz für Aufregung. Trotz Bedenken wurde sein Projekt genehmigt.

Von Anita Heubacher

Innsbruck –Ein knapp 50 Seiten langer Bescheid zur Pistenverlängerung und zu einem neuen Lift im Skigebiet Hochzillertal wurde der Tiroler Tageszeitung zugespielt.

Liftunternehmer Heinz Schultz will auf dem Gemeindegebiet von Aschau im Bereich der Söggenaste im Skigebiet Hochzillertal den Schlepplift abreißen und durch eine neue Achtersesselbahn ersetzen. Dazu muss auch die Skipiste verlängert werden. Aus dem Bescheid geht ganz klar hervor, dass der Landesumweltanwalt das Projekt für nicht bewilligungsfähig hält, weitere Experten hegten Bedenken. Trotzdem hat die Abteilung Umweltschutz im Land grünes Licht gegeben.

Für Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer ist die Causa Söggenaste „einer von zwei Fällen im Jahr, bei dem wir den Verwaltungsgerichtshof anrufen würden“. Kostenzer muss im Konjunktiv bleiben, denn anders als in anderen Bundesländern, bleibt ihm der Gang zum Höchstgericht verwehrt. Die Einwände der Landesumweltanwaltschaft seien von der Umweltschutzabteilung „einfach vom Tisch gewischt worden“. Das sei außergewöhnlich, denn ansonsten arbeite man mit der Abteilung sehr gut zusammen, meint Kostenzer.

Auf den Fall angesprochen erklärt SP-Umweltlandesrat Hannes Gschwentner, dass er damit nicht betraut gewesen sei. Die Abteilung habe ohne ihn entschieden. „Wenn die Rechtslage klar ist, entscheiden die Beamten.“

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In der Umweltschutzabteilung will man im Fall Söggenaste keine Besonderheit sehen. Der Landesumweltanwalt berufe an die 30 Mal im Jahr. Bei der Hälfte der Fälle bekomme er Recht, bei der Hälfte nicht. Dass es sich wieder um ein Projekt des Zillertaler Liftunternehmers Heinz Schultz drehe, will der Leiter der Abteilung, Kurt Kapeller, nicht kommentieren. „Es gibt keine Bevorzugung, aber auch keine Benachteiligung von Heinz Schultz.“ Die Kritik des Landesumweltanwaltes bezeichnet Kapeller als „ungehörig“.

Tatsächlich finden sich im Bescheid massive Bedenken gegen das Projekt, die nur zum Teil ausgeräumt werden konnten. Ein Teil der Pistenverlängerung befinde sich bis zu 100 Meter außerhalb der Grenzen des Skigebietes. Der geplante Achtersessellift befördert pro Stunde 4000 Personen. Die geplante Piste sei viel zu eng, warnt der sporttechnische Experte. Sorgen bereitet auch der Wasserhaushalt und die Stabilität des Zellerberges, wo das Projekt geplant ist. Die Verkehrsabteilung weist darauf hin, dass eine Skigebietserweiterung mehr Verkehr bringe, es aber immer noch kein Verkehrskonzept Zillertal gebe.

Entkräftet wird wie folgt: Der Lift werde nicht zu 100 Prozent ausgelastet sein, die enge Piste sei daher kein Problem, mehr Verkehr werde es nicht geben, weil der Lift nur für Wiederholungsfahrten genützt würde.

Kostenzer bleibt dabei: Bei größeren Projekten werde mit zweierlei Maß gemessen. „Da wird auf einzelne Abschnitte nicht so genau hingesehen wie bei kleineren Projekten.“

Heinz Schultz war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.


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