Bibelstunde unterm Sternenhimmel

Bei den Schlossbergspielen Rattenberg steht heuer Franziskus im Zentrum. Und zwar so, wie Felix Mitterer ihn sieht: als Revoluzzer mit Strahlkraft.

Von Christiane Fasching

Rattenberg –Oft hilft auch das Beten nichts. Denn obwohl in Rattenberg in den vergangenen Tagen etliche Stoßgebete zum Wettergott geschickt wurden, zeigte sich dieser am Freitag miesepetrig und uneinsichtig und ließ es um exakt 21 Uhr munter regnen. Und so musste der heilige Franziskus auf seinen lang ersehnten Auftritt noch ein bisschen länger warten – und mit ihm warteten die Premierengäste von Felix Mitterers Stück „Franziskus – Der Narr Gottes“, das der Autor im Jahr 2007 für die Volksschauspiele im deutschen Ötigheim verfasst hatte.

Nach einer halben Stunde verflüchtigten sich die Tropfern jedoch und räumten so die Bühne für den – laut Mitterer – „demütigsten Revoluzzer“, den die Welt je gesehen hatte. Die Regie bei dieser österreichischen Erstaufführung hat Pepi Pittl inne, der bereits zum vierten Mal auf dem Schlossberg einen Mitterer-Stoff inszeniert. Knapp sechs Monate dauerten die Proben für die bildgewaltige Bibelstunde, an der 60 Mitwirkende beteiligt waren. In Ötigheim waren mehr als 500 Menschen auf der Bühne gestanden – doch derlei Opulenz ist auf dem Schlossberg glücklicherweise nicht möglich. Und hätte eigentlich auch gar nicht zu Franziskus gepasst, dessen Leben von Bescheidenheit geprägt war. Und von der Liebe zu Gott, die bei seinen Reisen rund um die Welt immer noch stärker wurde. Stark war auch die Leistung von Heinz Auer, der in den Habit des Helden schlüpfte und im knapp zwei Stunden dauernden Spektakel das Bild eines Mannes zeichnete, dem Geld und Luxus ein Gräuel waren, der mit Tieren sprach, den Ärmsten unter den Armen half und – engegen der damaligen kirchlichen Gepflogenheiten – Bescheidenheit predigte.

Pittl hat die Ötigheimer Fassung, die mehr als drei Stunden dauerte, auf knapp zwei Stunden gekürzt. Und er hätte den Rotstift ruhig noch ein wenig mehr zum Einsatz bringen sollen, dann hätte der durchaus spannende Stoff mehr Tempo und weniger Längen gehabt. Das Laien-Ensemble gab indes sein Bestes, spielte im detailverliebten Bühnenbild (Erich Eberharter und Team) mit viel Verve und Enthusiasmus – warum das Publikum am Ende dann gar so verhalten applaudierte, wollte man da nicht ganz verstehen. Womöglich lag‘s aber auch an der bildgewaltigen Inszenierung Pittls, die streckenweise leider ins Kitschige kippte – etwa in der Schlussszene, in der das San-Damiano-Kreuz plötzlich erstrahlt wie ein Weihnachtsbaum.

Bis zum 4. August verwandelt sich der Schlossberg nun also in ein Fleckerl Umbrien, eingeplant sind 22 Vorstellungen, von denen hoffentlich keine ins Regenwasser fällt. Wer den Tiroler Theatersommer kennt, weiß, dass dieser Wunsch vieler Stoßgebete bedarf.


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