Ein Krebsalarm, den jeder hört

Diesel, Handystrahlung oder Solarien: Wenn die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) etwas als gefährlich einstuft, ist die Aufregung groß.

Innsbruck –Seit wenigen Wochen ist es amtlich: Dieselabgase sind „krebserregend“. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) mit Sitz in Lyon sieht hinreichende Beweise für die Verursachung von Lungenkrebs durch die Abgase von Dieselmotoren. Damit gruppiert die Organisation diese Abgase mit Asbest, Arsen und Senfgas ein.

Das sitzt – auch wenn laut IARC-Chef Kurt Straif die Gefahren selbst bei Berufskraftfahrern eher mit jenen des Passivrauchens vergleichbar sind. Denn die IARC ist nicht irgendeine Forschungseinrichtung, sondern eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Und deren Empfehlungen finden weltweit Gehör.

Dementsprechend aufgeregt reagieren in der Regel die potenziellen Verursacher von Krebsrisiken. In diesem Fall die Autoindustrie. Die moniert nach den jüngsten Aussagen, dass sich die Untersuchungen darin auf alte Motoren beziehen.

Eine Argumentation, der die Medizinerin Eva Frei vom Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg folgen kann. Zumindest teilweise. „Ich denke, in Europa besteht kein so extremer Handlungsbedarf – bei Fahrzeugen auf der Straße ist da schon so viel geschehen.“ In den Schwellenländern gebe es hingegen aber sicher Handlungsbedarf. Partikelfilter und andere für Europäer bereits selbstverständliche Umweltstandards im Fahrzeugbau sind dort noch lange nicht angekommen. Egal ob in Afrika, Asien oder Südamerika – auf den Straßen dieser Kontinente haben Dreckschleudern vielerorts noch das Sagen.

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Eine Bewertung, die die IARC im Vorjahr vorgelegt hat, betrifft hingegen inzwischen Menschen auf der ganzen Welt gleichermaßen. Und auch in diesem Fall war die Aufregung groß. 2011 ließen die Krebsforscher aufhorchen, als sie zu dem Schluss kamen, dass Handystrahlung „möglicherweise krebserregend“ sein könnte. Die Mobilfunkindustrie hatte damit naturgemäß wenig Freude. Telefoniert wird weiterhin. Eine „potenzielle Gefahr“ wird daran so schnell wohl nichts ändern.

Im Hinblick auf Solarien war das IARC-Urteil schärfer. Und das blieb nicht ohne Folgen. 2009 meinten die Experten: Wer sich noch vor seinem 30. Lebensjahr regelmäßig der UV-Strahlung der „Toaster“ aussetzt, erhöht sein Hautkrebsrisiko um 75 Prozent. Mit Erfolg: Sonnenstudios sind inzwischen in Österreich und in Deutschland laut Gesetz für Jugendliche unter 18 Jahren Tabuzonen.

So groß die Beachtung in der Öffentlichkeit bei Krebswarnungen der IARC ist, für Experten bieten sie selten Überraschungen. „Dass Dieselabgase krebserregend sind, ist an sich nichts Neues. Mit diesem Thema haben sich bereits rund 6000 Studien auseinandergesetzt“, weiß Günther Gastl, Leiter der Abteilung Hämatologie und Onkologie an der Inneren Medizin der Uni-Klinik Innsbruck. „Aber natürlich ist das ein globales Statement, das da abgegeben wird.“ Und darin stecke eine große politische Schlagkraft, die sich unmittelbar auf die Gesundheitspolitik auswirken kann. Das zeige nicht zuletzt das Beispiel der Solarien. (chw, APA, dpa)


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