Explosive Relikte aus dem Halltall

Mehrere Male im Jahr muss der Entminungsdienst ins Halltal um Bomben und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg zu beseitigen. Im Tal oberhalb von Absam tauchen ständig neue Blindgänger auf.

Von Jan Hetfleisch

Hall in Tirol –Ein dumpfer Knall schallt durch das Halltal. Minuten später steigt über den Baumwipfeln ein Hubschrauber des Innenministeriums auf. An einem Seil darunter hängen zwei Personen: Harald Puntigam und Günther Schlösser. Die Experten des Entminungsdienstes haben gerade einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich mit Plastiksprengstoff zerstört.

Mehrere Male pro Jahr müssen die Experten aus dem Innenministerium in das Tal oberhalb von Absam, um sich dort um explosive Relikte zu kümmern. „Granaten mit Aufschlagszünder sind sehr einfach zu entschärfen. Man schraubt einfach den Zünder ab“, schildert Schlösser, der bereits seit 20 Jahren Kriegsmaterial beseitigt, ganz abgeklärt. Dennoch will er keinen Einsatz als Routine sehen: „Es kommt immer auf den Zustand und die Lage der Granate und die Art des Zünders an. Wenn wir uns ein Bild gemacht haben, wird entschieden, ob wir vor Ort sprengen können oder wir das Kriegsmaterial abtransportieren und entsorgen müssen.“

Bernhard Pedatschnig, Hirte der Gemeinde Absam, hatte eine 60 Zentimeter große Granate beim Schafezusammentreiben im unwegsamen Gelände entdeckt und umgehend die Polizei informiert. „Ich bin erschrocken, als ich eine Granate in dieser Größe sah. Es liegen hier unzählige Blindgänger herum. Zum Glück lag diese nicht in der Nähe eines Weges“, sagt Pedatschnig.

Immer wieder finden Wanderer oder Spaziergänger die tödlichen Relikte aus der Vergangenheit im Halltal. Manchmal in unmittelbarer Nähe zu Wanderwegen. Den Grund für die Anhäufung kennt der Hirte: „Nach dem Zweiten Weltkrieg schlugen die Franzosen ihr Lager am Fuße des Halltals auf und nutzten das abgeschiedene Tal als Übungsplatz. Von Gewehrkugeln, Mörsern bis zu großen Haubitzengranaten findet man alles.“ Aber auch durch zu früh abgeworfene Bomben bei Luftangriffen auf den Haller Bahnhof blieben Geschosse im Halltal liegen.

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Vor allem starke Regenfälle befördern das Kriegsmaterial heute ans Licht. Sturzbäche können die Sprengkörper dann bis nach Absam mitreißen. Schlösser weiß von einigen Unfällen mit den alten Granaten und mahnt Wanderer und Spaziergänger zur Vorsicht: „Bei einer Entdeckung darf das Kriegsmaterial keinesfalls angefasst werden. Stattdessen soll die Fundstelle markiert und umgehend die Polizei informiert werden. Den Rest übernehmen wir.“


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