Erste Anklage gegen Pflegerin

Von Reinhard Fellner...

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Dass das Thema Altenbetreuung zu den vordringlichst zu lösenden Problemen unserer Gesellschaft zählt, hat zwar Eingang in die tägliche Berichterstattung, aber leider noch nicht zu jedem Politikerohr gefunden. So müssen zur Pflege gebrechlicher Angehöriger von Familien mangels Zeit und Infrastruktur nicht selten privat ausländische Hilfskräfte herangezogen werden.

Ein ganzer Berufszweig ist dafür in der Slowakei, Ungarn und Tschechien entstanden, wobei mehr oder weniger gut ausgebildete Pflegerinnen mehr oder weniger angemeldet meist im Drei-Wochen-Takt zu einer Pflegeperson nach Österreich kommen.

So im Jahr 2010 auch eine 50-jährige Slowakin in den Bezirk Innsbruck-Land. Dort hatte sie als 24-Stunden-Betreuerin eine bettlägerige 85-jährige Dame zu pflegen.

Ihre Nachfolgerin hatte nach drei Wochen an der Fürsorge der Kollegin aber arge Zweifel, nachdem bei der Pflegebedürftigen am Rücken gleich fünf Dekubitusgeschwüre dritten Grades festgestellt werden mussten.

„Laut Anklage hatte es die Pflegekraft unterlassen, regelmäßig umzulagern, und damit ihre Verpflichtung zur Fürsorge gröblich vernachlässigt“, erklärte auf Anfrage der TT dazu Staatsanwalt Hansjörg Mayr. In Tirol wurde deshalb erstmalig eine Anklage wegen Quälens und Vernachlässigens gegen eine Altenpflegerin eingebracht, nachdem der Sohn der 85-Jährigen den Vorfall zur Anzeige gebracht hatte. Zum heutigen Prozess sind drei Zeugen geladen. Es drohen bis zu drei Jahre Haft.


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