„Aktion scharf“ bei den Skispringern

Beim gestrigen Continentalcup in Stams ging es einigen Springern mit ihren neuen Anzügen an den Kragen.

Von Susann Frank

Stams –Einen sehr kurzen Auftritt legte gestern Nationalteam-Skispringer David Zauner beim Continentalcup-Mattenspringen in Stams hin. Der Athlet mit der Nummer eins landete und war gleich darauf aus der Wertung genommen. „Ich bin disqualifiziert, weil die Abmessung des neuen Anzuges am Ellenbogen nicht passt“, erklärte er. Oberkörperfrei am Zaun gelehnt, beobachtete er anschließend, wie sechzehn Kollegen von insgesamt 81 Startern dasselbe Schicksal ereilte.

Und wen es nicht traf, dem lief bei heißen 35 Grad um 12 Uhr mittags das Schweißwasser über Stirn und Körper. „Mit den alten Anzügen wäre es zwar auch elend heiß gewesen, aber in den neuen kommen wir noch mehr ins Schwitzen“, urteilte Wolfgang Loitzl. Der Vierschanzentournee-Sieger von 2009 belegte hinter Dawid Kubacki (POL) und Mackenzie Boyd-Clowes (CAN) den dritten Platz. Der 32-Jährige war zur Veranstaltung der zweiten Kategorie jedoch nur angereist, um sich die Vorgehensweise des Internationalen Ski-Verbandes (FIS) in Bezug auf die neuen Anzüge anzusehen. Denn im Gegensatz zu sonst stand gestern nicht der Sieger im Vordergrund, sondern die Bekleidung der Athleten.

Seit fast zwei Monaten wird diese anders vermessen. Während der Anzug bis Ende der vergangenen Saison sechs Zentimeter weiter sein durfte als die Körperstatur, gilt jetzt die Null-Toleranz-Grenze.

Ausschlaggebend dafür war der Unmut einiger Nationen. Sie zweifelten an der Gleichheit der Anzüge aller Springer. Das gipfelte in einer heftigen Diskussion beim Saisonabschluss in Planica (SLO) zwischen den FIS-Verantwortlichen und einigen Servicemännern, die auch für die Anzüge verantwortlich zeichnen. Schließlich ist der Skisprunganzug ein beliebtes Testobjekt, um zu Materialvorteilen zu gelangen, die sich in Weiten und Punkten niederschlagen sollen.

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„Wir haben die Vorschläge der Servicemänner aufgenommen und gehandelt“, erklärt FIS-Weltcup-Materialkontrolleur Sepp Gratzer.

Gestern griffen sie dann bei der Premiere hart durch. Denn das war der eigentliche Kritikpunkt: zu ungenaue Kontrollen, wo so manch einer durch den Raster fallen würde. „Es gab immer wieder Mutmaßungen, bestimmte Springer würden das Reglement ausnutzen. Dadurch kam es zu einer unguten Stimmung im Weltcup“, erklärte Loitzl.

Gestern passte die Stimmung. Trotz Hitze. Trotz der 17 Disqualifikationen, von denen vier Österreicher trafen.

„Auch wenn es einige unserer Athleten erwischt hat, begrüße ich die ,Aktion scharf‘ bezüglich der Anzüge“, erklärte ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner nach dem Wettkampf. Ähnliche Worte wählte Continentalcup-Trainer Flo Liegl. Und auch der deutsche Cheftrainer Werner Schuster begrüßte die starken Kontrollen: „Es ist höchst notwendig, mit vollster Schärfe zu exekutieren. Um die totale Transparenz herzustellen, Fairness zu schaffen und allen klarzumachen, wo der Weg hingeht.“

Für beide Cheftrainer steht fest, dass dieser Weg auch im Weltcup bestritten werden müsste. Schuster: „Der Neustart muss gelingen, sonst hätte man sich die Veränderung sparen können.“

Schließlich ergeben sich dadurch auch sprungtechnische Veränderungen. Welche genau, können weder Schuster noch Pointner nach der kurzen Einführungszeit sagen.

Eines ist jedoch klar. Beim Weltcup im Winter stehen nicht drei Kontrolleure da, so wie bei der gestrigen Premiere, sondern nur Gratzer. „Natürlich wird die Anzahl der kontrollierten Anzüge ungefähr mit den vergangenen Saisonen gleich bleiben“, gestand der Kärntner, fügte jedoch gleich an: „Wir wollen qualitativ hochwertiger kontrollieren. Deswegen werden wir Leute aus den Organisationskomitees heranziehen, die mir dann behilflich sein werden.“

Gestern ging Gratzer seinem Continentalcup-Kollegen zur Hand. Nicht wie üblicherweise mit Maßband in einem Container, sondern diesmal durch Anfassen des Anzuges vor dem Absprung, um den richtigen Schnitt zu „begreifen“. Sein erster Versuch saß jedenfalls. Denn Zauner fiel Gratzer schon am Schanzenturm auf und wurde dann von seinem Kollegen im Container disqualifiziert.


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