Tirol muss Gashahn für Nachbarn öffnen

Direktzugang zum deutschen Gasmarkt ab 2013 soll laut E-Control die Preise senken. Tigas zweifelt an Rechnung.

Von Max Strozzi

Innsbruck –Tiroler Gaskunden können im nächsten Jahr vermutlich aus mehr Gasanbietern auswählen. Die neue Gasmarktverordnung, die mit 1. Jänner 2013 in Kraft tritt, soll für mehr Konkurrenz am heimischen Gasmarkt sorgen. Für Tirol ist dabei für spätestens Oktober 2013 der direkte Zugang zum deutschen Handelsplatz und damit zu deutschen Gaslieferanten vorgesehen. „Dadurch rechnen wir mit Verbesserungen, weil es in Deutschland viel mehr Anbieter gibt“, sagt Martin Graf, Vorstand des Energieregulators E-Control. Das eröffne die Möglichkeit, aus mehreren Anbietern auszuwählen. „Man kann davon ausgehen, dass die Preise sinken. Um wie viel, kann man seriöserweise noch nicht sagen“, so Graf. „In Ostösterreich sieht man aber, dass man im Gasbereich 200 Euro gegenüber dem etablierten Anbieter einsparen kann.“

Der Gaspreis besteht aus zwei Komponenten: dem Netztarif, der von der E-Control vorgegeben wird, und dem Energiepreis. Tirols Landesversorger Tigas gilt österreichweit beim Energiepreis als einer der billigsten Anbieter. Ein durchschnittlicher Tiroler Haushalt mit einem Gasverbrauch von 15.000 kWh zahlt derzeit etwa 1055 Euro im Jahr. Der Energiepreis liegt bei 454 Euro netto. Seit Kurzem ist auch Goldgas am Tiroler Markt und bietet Gas um knapp 15 Euro im Jahr billiger an.

Tigas-Vorstandschef Bruno Wallnöfer zweifelt an einem weiteren Einsparungspotenzial, wie ihn die E-Control vermutet. „Wenn überhaupt, kann der Energiepreis nur noch minimalst sinken“, so Wallnöfer. Auf zusätzliche Konkurrenz reagiere man gelassen. „Den Wettbewerb gibt es bereits. Wenn er weiter ausgestaltet wird, ist es uns recht. Wir fürchten uns nicht“, sagt er.

Derzeit hat sich der Landesversorger Tigas laut E-Control-Chef Graf fast die gesamte Kapazität der Gasleitung am deutsch-tirolerischen Übergabeknoten in Kiefersfelden gesichert – was anderen Anbietern den Zugang zum Tiroler Markt erschwere. „Künstliche Engpässe wie in Kiefersfelden werden künftig eliminiert“, so Graf. Ein „Verteilgebietsmanager“ soll die Gaskapazitäten verwalten.

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In weiterer Folge könne das Tiroler Gasnetz auch als eine Art Speicher benutzt werden. „Die Leitung im Inntal hat drei Mal mehr Kapazität als gebraucht wird. Die Überdimensionierung des Netzes kann daher wie ein Röhrenspeicher genutzt werden und Bezugsspitzen kitten. Davon können andere Anbieter profitieren“, erklärt Graf.

Auch wird künftig von Stunden- auf Tagesbilanzierung umgestellt, das soll neuen Anbietern den Start erleichtern. Derzeit müssen Gaslieferanten für den nächsten Tag einen Fahrplan abgeben, wie sie Kunden beliefern wollen. Graf: „Neue Anbieter müssen eine stundengenaue Prognose abgeben, können aber nicht wissen, wie viel verbraucht wird.“ Dass künftig nicht stunden- sondern tageweise ausbilanziert wird, soll Kosten reduzieren und neuen Gasanbietern den Markteintritt erleichtern.


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