Riesige Deponie ist im Anrollen

Über eine halbe Million Kubikmeter Bodenaushub- und Tunnelausbruchmaterial soll künftig auf der „Ferrariwiese“ bei Innsbruck deponiert werden. Bergmeister dementiert Zusammenhang mit Brennerbasistunnel.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Für viele ältere Innsbrucker ist es „ihre Ferrariwiese“. Dort, wo sie einst im Winter die ersten zaghaften Versuche auf Skiern machen durften. Heute befindet sich der grüne Zwickel, der landwirtschaftlich genutzt wird, im Würgegriff des Verkehrs. Während im Nordosten die Autobahn den Dauersiedlungsraum von der Ferrariwiese abtrennt, setzen ihr von Norden nach Süden die parallel laufenden Strecken der Stubaitalbahn sowie der Brennerstraße Grenzen. Insbesondere all jenen Gästen, die mit dem Auto über die Brennerstraße kommend nach Innsbruck anreisen, eröffnet sich hier der erste Blick auf die selbst ernannte Hauptstadt der Alpen inklusive des imposanten Ensembles des Stifts Wilten.

Geht es nach der Innsbrucker Kies- und Splittwerke GmbH & Co. KG und deren Vertretung, die Firma „projekt-partner OG“, dann sollen auf der Ferrariwiese demnächst aber Bagger und Lkw das Bild beherrschen. Schließlich soll dort auf einer Fläche von 75.264 Quadratmetern eine Deponie für Bodenaushub- und Tunnelausbruchmaterial errichtet und betrieben werden, wie aus einer Bekanntmachung der Abteilung Umweltschutz im Amt der Tiroler Landesregierung hervorgeht. Hierzu hat die Abteilung für alle Verfahrensbeteiligten für Donnerstag eine mündliche Verhandlungsrunde nach dem Abfallwirtschaftsgesetz anberaumen lassen.

Allein die angegebenen Ausmaße der beantragten Deponie wissen zu beeindrucken. So soll die maximale West-Ost-Erstreckung 350 Meter, die maximale Nord-Süd-Erstreckung 270 Meter betragen. Die maximale Schutthöhe soll rund 15 Meter umfassen. Zehn Jahre soll die Deponie betrieben werden. Im Anschluss sollen die in Anspruch genommenen Flächen vollständig rekultiviert und erneut einer landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden.

Für die Abwicklung des Deponiebetriebs sind Sozial- und Sanitäreinrichtungen, Lagercontainer, eine mobile Lkw-Waage, eine Reifenreinigungsanlage sowie der Einsatz von Hydraulikbagger und Planierraupe vorgesehen. Die Zu- und Abfahrt zum Gelände soll von der Brennerstraße bei Kilometer 1,09 erfolgen.

Wie es aus dem Land heißt, habe das Projekt bereits eine lange Geschichte. So wurde 2007 ein Vorprojekt wegen Unvollständigkeit der Antragsunterlagen per Bescheid zurückgewiesen.

Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer bezweifelt, ob der Standort geeignet ist. In erster Linie hinsichtlich des Faktors Landschaftsbild. Dieses sei auch, so das Land, ein genehmigungsrelevantes Kriterium – wie viele weitere auch. Die Stadt selbst soll, wie es aus dem Magistrat heißt, als Standortgemeinde keine Empfehlung – in welche Richtung auch immer – bei der Verhandlung abgeben. Dass Aushub aus dem Brennerbasistunnel dort deponiert werden könnte, dementiert BBT-Chef Konrad Bergmeister mit Nachdruck: „Nein, das war nur eine alte Idee.“

Peter Praschberger, Geschäftsführer der „projekt-partner“ begründet den Antrag der Kies- und Splittwerke, – einer „100-Prozent-Tochter der Fröschl-Gruppe“ – damit, dass es bis dato in Innsbruck „keine adäquate Ablagerungsmöglichkeit“ für Bodenaushub gebe. In der Stadt würde aber viel gebaut – man wolle mit der Deponie Umwegverkehr reduzieren helfen. Auch er bestätigt, dass dort kein Tunnelausbruch deponiert werden soll: „Das ist nur ein formaler Begriff.“


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