Samenspender mit Gefühlen

Von den Nachteilen des Erwachsenwerdens: Ken Scotts „Starbuck“ ist eine frankokanadische Komödie über die Ängste eines Vaters von 533 Kindern.

Von Peter Angerer

Innsbruck –Eine Frau in Schwesterntracht überreicht einem jungen Mann einen Plastikbecher und einen Stoß bunter Pornohefte, die ihn nicht gerade inspirieren. Schnitt. 20 Jahre müssen seit der Spermaspende vergangen sein. David Wozniak (Patrick Huard) wird zärtlich von einem Mann mit Totschlägergesicht geweckt und wir denken noch, dass diese Andeutung einer Beziehung so einiges erklärt, doch der Eindruck täuscht.

David schuldet einer Gangsterbande 80.000 kanadische Dollar und die Herren sind nicht zimperlich, schrecken nicht einmal vor Waterboarding zurück. Legale Kredite werden in Zeiten wie diesen nicht mehr vergeben, aber in der Zeitung ist immer wieder von einträglichen Marihuana­plantagen zu lesen. Davids Wohnung sieht ohnehin wie eine Müllhalde aus, also warum nicht? Aber das Grünzeug verlangt nach der zärtlichen Hand, dem grünen Daumen eines Gärtners, den David in seinem Anwalt-Freund vermutet, der immerhin mindestens vier Kinder aufzieht. Das eine hat aber nichts mit dem anderen zu tun, weshalb der Drogenplan aufgegeben wird.

Außerdem ist Davids Freundin Valérie (Julie Le Breton) Polizistin, die an ganz andere Gründe denkt, die sie am Betreten der Wohnung gehindert haben. Jedenfalls ist Valérie als Erinnerung an bessere Zeiten schwanger und entscheidet sich für eine Zukunft als alleinerziehende Mutter. David ist damit als unangenehmer, oberflächlicher Mensch erkennbar geworden, verspricht aber Besserung. Darüber würden seine beiden Brüder (Dominic Philie, Marc Bélanger) nur lachen, denn alle drei arbeiten in der väterlichen Fleischerei, nur bei David drückt der Vater (Igor Ovadis), ein polnischer Einwanderer, beide Augen zu. Bei Familientreffen erzählt der Vater gern die rührende Geschichte, wie David vor 20 Jahren aus unbekannter Quelle Geld aufgetrieben hat, um der sterbenden Mutter eine Reise nach Venedig zu ermöglichen. Solche Geschichten sind David peinlich, der noch immer nichts von der Herkunft des Geld verraten möchte. In diesem Augenblick der Not stehen einmal nicht Geld eintreibende Gangster, sondern ein Anwalt in der inzwischen zerstörten Wohnung. Der übergibt dem verdutzten Verlierer eine Vaterschaftsklage oder genauer: eine Sammelklage. David ist der biologische Vater von 533 Kindern, 142 von ihnen wollen nun ihren Vater kennen lernen, während bislang nur das Pseudonym „Starbuck“ des eifrigen Samenspenders bekannt ist.

Das ist die Ausgangssituation dieser kanadischen Komödie über einen Mann, der in der Adoleszenz feststeckt, da das Erwachsenwerden ohnehin nur zu seinem Nachteil ausgefallen wäre. Während die Boulevardpresse auf den Titelseiten über die Identität des großen Spenders rätselt und „Starbuck“ als „El Masturbator“ zu einer bizarren Witzfigur avanciert, beginnt sich der Metzger für das Schicksal jedes seiner Kinder zu interessieren. Zum ersten Mal in seinem Leben nimmt er soziale Wirklichkeit außerhalb seiner eigenen Angelegenheiten wahr. In der Maske des Sozialarbeiters fährt er einen spastisch gelähmten Buben jeden Nachmittag in einen Park, ein Mädchen rettet er vor dem Drogentod. Nicht alle Spenden haben zu glücklichen Existenzen geführt. Der Realität steht allerdings der leichte Komödienstil entgegen, der unterhalten und rühren will, ohne ein großes Publikum mit unangenehmen Details zu belasten.

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