Die Etagere kommt wieder in Mode

Zu Zeiten der Großeltern galt eine Etagere als Highlight im Geschirrschrank, ihre Namensvetterin verdingte sich meist im Bad. Aber auch in die anderen Wohnräume hat die Etagere seither Einzug gehalten. Heute gibt es sogar ein Exemplar zum Aufladen von Handy und Co.

Von Ursula Philadelphy

Immer wieder retten sich einstmals durchaus gebräuchliche Dinge ins aktuelle Jahrhundert und passen sich dem Zeitgeist an. Die Etagere ist so ein Utensil, das zu Großmutters Zeiten in jedem nur halbwegs vornehmen Haushalt ein absolutes Muss gewesen ist. Kein Kaffeekränzchen ohne Etagere, gefüllt mit Bonbons, kleinen Törtchen oder Kuchenscheiben. Manchmal wurde die hochstapelnde, zwei- bis dreiteilige Plattenorgie aber auch mit Obst gefüllt – und machte so gesund ordentlich was her.

In Frankreich gab und gibt es die Variationen gefüllt mit Käse oder feinen Pasteten, während man in England zur Teatime auf Gebäck, Scones und Sandwiches setzt.

Die meist dreiteiligen Etageren haben ihren Weg aus dem Barock bis zu uns gefunden und hatten durch all die Jahrhunderte einen ganz einfachen Zweck: möglichst viel Inhalt auf möglichst geringem Platz so attraktiv wie möglich zu präsentieren. Außerdem lässt sich das Ding auch noch leicht von A nach B transportieren – dank des mittigen Stiels mit einem Knauf oder Ring am oberen Ende.

Versace hat für Rosenthal mehrere Modelle entworfen, die wunderbar klassisch daherkommen, zu einem ganzen Service passen, aber auch als Einzelstücke brillieren. Das Modell Arabesque in Gold sollte man allerdings wohl eher als Einzelstück verwenden. Schön auch „Landscape“, schlicht in Weiß gehalten, was der Qualität des Porzellans gut zu Gesicht steht. Ganz zu schweigen von einer zweiteiligen gläsernen Etagere, die Andy Warhol, ebenfalls für Rosenthal, mit leicht hingeworfenen Engeln verziert hat.

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Auch bei der österreichischen Keramikerin Sandra Haischberger gibt es in ihrem Atelier „Feine Dinge“ eine Etagere aus edlem Porzellan. Asa Selection setzt ebenso auf Porzellan, bei „quadrato“ sind die Platten – no na – quadratisch, mit Mittelfixierung, während bei „A table“ die feinen Bone-China-Platten in einem Edelstahlgestell fixiert sind.

„Babell“ von Koziol hingegen ist quietschpetrolfarben und aus Kunststoff, während Urban Outfitters auf dicken Karton mit Blümchenmustern setzt.

Vintage allemal und allesamt, ein Highlight für Retrofans. Aber nicht nur. Denn eine Etagere ist wahnsinnig praktisch – siehe oben – und lässt sich außerdem für aberwitzig viele Dinge zweckentfremden.

Krimskrams, Schlüssel, das Münzgeld aus der Hosentasche, die Nähutensilien, die Kakteensammlung (so gut wie jede andere Kleinsammlung übrigens auch), aber auch Schmuck lassen sich auf den verschiedenen Ebenen gut unterbringen und sortieren. Gut gehortet, fein getrennt und makellos präsentiert.

Für Teelichtfreaks bieten die modernen Etageren aus Beton, Metall oder Stein auch eine super Möglichkeit, die Teelichter darauf zu arrangieren und wahre Lichtorgien zu feiern. Hölzerne Varianten eignen sich für Blütensammlungen, die sich prima in Teelichtgläsern arrangieren lassen – ein Blumenstrauß der besonderen Art.

Auch im Badezimmer kann man, wenn man genügend Platz hat, eine traditionelle Etagere unterbringen und sie für all den Kleinkram verwenden, der so anfällt. Man kann aber auch die Schmink­utensilien darin lagern oder Seifen, Badeschwamm und Bürsten.

Im Bad greift man auch gerne und seit ewigen Zeiten auf eine andere Art von Etagere zurück: die Ablage unter dem Spiegel – üblicherweise für Kamm, Lippenstift, Creme­tiegel, Rasierer und Ähnliches verwendet.

Genau dieses System der einzelnen Ablageflächen hat nun aber auch in die anderen Wohnräume Einzug gehalten. Ein schmales Brett im Gang kann dekorativ für Bilderrahmen verwendet werden. In der Küche lassen sich die Kochbücher gut unterbringen und auch im Wohnzimmer oder im Arbeitszimmer braucht man nicht immer unbedingt eine ganze Stellage. In manchen Fällen tun es auch Einzelbretter – zumindest wenn es um den dekorativen Aspekt geht.

Dieses System wird aber auch ausgeweitet. So gibt es etwa von Petite Friture eine Etagere für die Wand, die zwei Ablageflächen bietet und ein bisschen an den Stil der 1960er Jahre erinnert.

Ganz im 21. Jahrhundert angekommen ist schließlich das exzeptionelle Modell „why not“ des brasilianischen Designers Baita Bueno, das Aufladeanschlüsse für Handys und Co. hat!


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