Der Stern, der uns nicht schnuppe ist

Unerbittlich, unverfälscht, unerschwinglich: Der exklusive Mercedes SLS AMG Roadster ist straff konstruiert, raketenstark motorisiert und auf das pure Fahrerlebnis reduziert.

Von Markus Höscheler

Innsbruck –Sie und er, sie sitzen rasch im Ohr und sind nicht mehr zu verdrängen. Sie, das ist Lana Del Rey, die mit durchdringender Stimme von der „Summertime Sadness“, der Traurigkeit im Sommer, singt. Er, das ist der V8-Benziner­, der mit betörendem Brabbeln den Mercedes SLS AMG Roadster zu Höchstleistungen antreibt und die Freude am Autofahren verbreitet.

Sie verzaubert, er bewegt – und wie: Weniger als vier Sekunden benötigt der Achtzylinder, um den Supersportwagen von null auf 100 km/h zu beschleunigen. Keine zwölf Sekunden sind notwendig, um Tempo 200 km/h zu erreichen. Da hat Usain Bolt zwar schon die Goldmedaille im 100-Meter-Bewerb eingeheimst, dafür geht dem SLS AMG Roadster die Puste noch nicht aus: Erst bei 317 km/h dreht der Saugbenziner quasi den Hahn zu, nach kontinuierlichem, raketen­artigem Vortrieb.

571 Pferdestärken und ein sattes Drehmomentmaximum von 650 Newtonmetern gilt es allerdings effizient zu kanalisieren. Eine Doppelkupplung mit sieben Stufen schaltet sich zwischen dem hinter der Vorderachse optimal platzierten Triebwerk und den mit 295er-Breit- und Niederquerschnittsreifen besohlten 20-Zoll-Hinterrädern. Der Gangwechsel erfolgt rasch, im Sport-, Sport+- und im manuellen Modus noch rascher, dennoch sanft genug.

Eine Sänfte ist der SLS AMG Roadster gleichwohl nicht. Sein Fahrwerk verfügt über sportliche Härte, was sich auf Asphaltverwerfungen und Kanaldeckeln nicht wegdämpfen lässt, auf kurvenreichen Passstraßen jedoch sehr hilfreich ist. Gelassen und spurtreu bewältigt der flache Mercedes­ rasant gefahrene Kehren, unterstützt von einer außergewöhnlich präzise und direkt ansprechenden Lenkung.

Mit seinem dynamischen Talent lässt der SLS AMG Roadster der „Summertime Sadness“ nicht die geringste­ Chance, erst recht nicht, wenn sich blauer Himmel zeigt und das Stoffverdeck inner­halb von elf Sekunden sich Z-förmig­ und platzsparend hinter den beiden Sitzen faltet. Selbst während der Fahrt ist das Dach vollautomatisch bedienbar, immerhin bis Tempo 50 km/h. Die Extraportion frische­ Luft, die jedem Haarfestiger seine Grenzen aufzeigt, bringt Lana Del Rey endgültig zum Schweigen.

Innehalten ist dem SLS AMG Roadster auch nicht fremd – etwa beim Tankstellenstopp angesichts des Testverbrauchs von 14,8 Litern je 100 Kilometer. Dann erfreut uns ein beobachtender Tourist mit seinem Statement „Nice car!“, stellvertretend für jene Unzähligen, die dem Stern-Wagen wortlos Anerkennung zollten. Eine wunderschöne Sternschnuppe, die ihre Seltenheit nicht zuletzt dem Testwagenpreis von 258.024 Euro zu verdanken hat. Da ist sie wieder, die „Summertime Sadness“.


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