Die Teufelskerle auf zwei Rädern

Die Red-Bull-X-Fighters-World-Tour ist ein Zuschauermagnet. 30.000 Fans waren beim Gastspiel im Münchner Olympiastadion aus dem Häuschen – nur ein Drogba-Trikot sorgte kurz für Missstimmung.

Aus München: Tobias Waidhofer

München –Da saß er nun bei der Pressekonferenz und strich sich mit einem Grinsen die langen Haare aus dem jugendlichen Gesicht. „Ich habe diesen Abend so viele heiße Tricks gezeigt und gefühlt, wie mich das Publikum anfeuert“, schwärmte Thomas Pagès über seinen Premierensieg auf der fünften Station der Red-Bull-X-Fighters-World-Tour 2012, die am vergangenen Samstag in München über die Rampe gegangen war. „Das war der unheimlichste Event, den ich je bestritten habe“, meinte der 24-jährige Franzose weiter.

Dabei haben Pagès und seine Kollegen im Zirkus der „Motocross-Freestyler“ sicher schon einiges erlebt. Immerhin führten die bisherigen Stationen die Fahrer schon an Orte wie Dubai, Istanbul oder Madrid. Vor einem Jahr besuchten den Stopp in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia 100.000 (!) Fans. Der Event in München zeigte einmal mehr, dass die Teufelskerle auf zwei Rädern ihren Platz in der Sportwelt gefunden haben. Und das zu Recht.

„Das ist mehr als nur Sport“, erklärt der 22-jährige Stefan. Gemeinsam mit zwei Freunden hat sich der Kössener auf den Weg in die bayrische Landeshauptstadt gemacht, um jeden gelungenen Sprung der zwölf besten Freestyler euphorisch zu bejubeln. „Ein Wahnsinn, was die Jungs aufführen.“ Das findet auch der Rest der 30.000 Zuschauer im altehrwürdigen Olympiastadion. Die Stimmung passt. Auch weil der Veranstalter Red Bull seinem Ruf alle Ehre macht und keine Kosten und Mühen scheut (u. a. wurden 10.000 Kubikmeter spezielle Erde im Olympiastadion aufgeschüttet). Und vor allem deshalb, weil die Fahrer nicht nur Sportler, sondern gleichzeitig auch Showleute sind. Der japanische Routinier Eigo Sato (33) erinnert in seiner Optik an einen Comic-Superhelden. Superstar Dany Torres (SPA) beendete seinen Lauf mit einem Sprung auf die Tribüne. Der Franzose David Rinaldo stellte nach seinem Run seine Lederhose zur Schau und Maikel Melero (SPA) belohnte sich zum Gaudium der Zuschauer für seine starke Runde noch auf der Strecke mit einem Schluck bayrischem Weißbier. Nur beim Australier Blake Williams schien die Stimmung zu kippen. Der simple Grund: Der Frechdachs absolvierte seinen Lauf in einem Chelsea-Trikot mit dem Namenszug Didier Drogba. Die augenzwinkernde Andeutung auf das verlorene Champions-League-Finale der Bayern gegen Chelsea in der nicht weit entfernten Allianz-Arena hatte gesessen. Doch auch Williams holte sich nach anfänglichen Pfiffen und Raunen doch noch seinen Applaus ab.

Den hatten sich auch wirklich alle Fahrer verdient. Immerhin setzen die Luftkünstler mit ihren 450-Kubikmeter-Maschinen quasi­ Naturgesetze außer Kraft und sorgen für unglaubliche Bilder. Auch Red Bull zeigte mit der Veranstaltung einmal mehr, wo die Stärke des Konzerns im Sportsponsoring liegt: nämlich viel mehr in der spektakulären Inszenierung von Trendsportarten als im Aufbau eines erfolgreichen Fußball-Klubs.


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