Der elegant mit den Elektronen tanzt

Er hat wenig zu verschenken, findet Geiz erregend und schreit vor Glück: Der Toyota Prius geht in der überarbeiteten Variante sorgsamst mit fossilem Brennstoff um – und animiert den Fahrer, es ihm gleichzutun.

Von Markus Höscheler

Innsbruck –Nein, der Bankbotschafter Niki Lauda wirbt nicht mit ihm, der Elektronikhändler Saturn wirbt nicht für ihn und der Onlineshop Zalando hat ihn noch nicht entdeckt. Allen Dreien stünde der moderat facegeliftete Prius der dritten Generation gut. Er hält sich dank seiner Hybridtechnik mit dem Spritkonsum vorbildlich zurück, er steckt voller Elektronik – und er kreischt, wenn er getreten wird.

Was den Prius von den meisten Fahrzeugen unterscheidet, ist sein Antrieb. Ein Vierzylinder-Benzinmotor und eine Elektromaschine sind gemeinsam bemüht, den fast 4,5 Meter langen Fünftürer anzutreiben. Während das Ottotriebwerk seinen Input aus einem 45-Liter-Kraftstofftank erhält, greift der Elektromotor auf den Nickelmetallhydridakku zurück, der unter dem Kofferraum Strom speichert. Geht der Akku zur Neige, hilft ihm der Benziner über einen Generator beim Aufladen – aber nicht nur er. Auch die Topografie und der Fahrer können unterstützen. Bremsenergie wird beispielsweise wieder in Strom umgewandelt und dem Akku zugeführt. Auch beim Bergabfahren lukriert der Speicher wertvolle Energie, verstärkt durch den B-Modus, der über den Wählhebel auf der Mittelkonsole zu aktivieren ist.

Apropos Mittelkonsole: Hier kommen Elektronikfreaks auf ihre Kosten, denn hier lässt sich das Fahrprogramm des Prius individuell beeinflussen. Zwar ist der relativ geräumige Fünfsitzer von Haus aus auf sparsamen Umgang mit Treibstoff getrimmt, aber über Tastendruck kommt der Eco-Modus zwecks noch mehr Ressourcenschonung zum Tragen. Falls der Ladezustand des Akkus es erlaubt, kann der Prius mit der EV-Taste (Electric Vehicle) zum Fahren im reinen Elektro­betrieb angeregt werden. Eine Folge ist eine nahezu lautlose Fortbewegung, ein Genuss an sich. Eine andere Konsequenz ist die graphische Darstellung ganz oben auf der Mittelkonsole, die die Energieflüsse dynamisch und die Verbräuche als Balkendiagramm anzeigt. Die Daten auf dem Digital-Display animieren zusätzlich, die Stellung des Gaspedals mit Sorgfalt zu verändern.

Wobei der Prius auch anders kann, wenn Bedarf danach besteht: Eine Power­taste mischt die Karten der Priorität neu und gibt der Beschleunigung den Vorzug. Der Effekt ist spürbar – und eben auch hörbar. Womöglich vor Glück schreit der Benziner, wohl auch deswegen, weil er mit einer stufenlosen Automatik (CVT) verbunden ist. So wirkt der Vorwärtsdrang synthetisch, erinnert aber erneut an den Spargedanken. Mit dem erzielten Durchschnittsverbrauch von 5,2 Litern je 100 Kilometer sind wir zufrieden, erst recht mit dem teilweise hochwertigen und reichhaltigen Interieur der 31.162,80-Euro-Premium-Ausstattung, die Toyota noch mit weiteren, mit Aufpreis verbundenen Extras (zum Beispiel Navigation) versah.

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