Politologen: Stronach-Partei könnte FPÖ und BZÖ Stimmen abjagen

Mit seinen Positionen „raus aus dem Euro, rein in den Schilling“ und die „EU ist böse“ würde Stronach vor allem den Rechtsparteien schade.

Der Industrielle Frank Stronach könnte es mit seiner Partei durchaus in den Nationalrat schaffen. Das sagten der Meinungsforscher Peter Hajek und der Politologe Thomas Hofer im Gespräch mit der APA am Montag. Stronach würde dabei vor allem der FPÖ und dem BZÖ Stimmen abjagen, schätzen beide Politexperten.

Mit seinen Positionen „raus aus dem Euro, rein in den Schilling“ und die „EU ist böse“ würde Stronach vor allem den Rechtsparteien schaden, sagte Hofer. Da er sich weniger als Wirtschaftsexperte positioniert habe, halte sich der Schaden für die ÖVP dagegen bisher in Grenzen.

Die SPÖ und die Grünen können einem Antreten Stronachs gelassener entgegensehen, auch mit den Piraten gebe es wenig Schnittmenge, meinte auch Hajek. Bei den Nichtwählern sieht Hajek ebenfalls kein großes Potenzial für neue Parteien. Nichtwähler, die schon zwei oder drei Mal nicht zur Urne gegangen sind, würden nur bei echten Richtungsentscheidungen dorthin zurückkehren. „Dass Stronach und die Piraten eine große Hebung der Wahlbeteiligung bewirken, glaube ich nicht“, so Hajek.

Hofer schätzt die Chancen Stronachs bei den Nichtwählern dagegen größer ein. Der Austrokanadier hätte prinzipiell ein „sehr großes Potenzial“. Es sei jetzt aber noch schwer zu sagen, wie viel davon er abschöpfen könne. Mit dem von Stronach angekündigten Wahlkampfbudget von über 20 Mio. Euro sei ein Einzug in den Nationalrat jedenfalls schaffbar. Stronach habe die nötige Bekanntheit und die nötigen finanziellen Möglichkeiten für eine gute Kampagne, meinte auch Hajek.

Stronach habe aber auch Schwachpunkte, so Hofer. Dazu zählen seine teils „extremen Positionen“ und seine Steuerveranlagung - der Industrielle soll den Großteil seines Vermögens steuerschonend im Schweizerischen Zug veranlagt haben. Zudem habe er den Nachteil, als Nicht-Parlamentspartei an den großen TV-Diskussionen nicht teilnehmen zu können. Angesichts seiner bisherigen TV-Auftritte könnte das aber auch ein Vorteil sein, so Hofer. Denn ein gewisser „Peinlichkeitsfaktor“ sei gegeben.

FPÖ und BZÖ offiziell gelassen

Die FPÖ sieht in der Parteigründung Frank Stronachs keine Gefährdung der eigenen Wahlchancen. Generalsekretär Herbert Kickl verweist darauf, dass neuen Gruppierungen regelmäßig „überdimensionale Erfolgspotenziale für Wahlen“ vorausgesagt würden. Er glaubt, dass die Wähler weiterhin zum „Schmied“ FPÖ und nicht zum „Schmiedl“ Stronach gehen werden. Auch beim BZÖ zeigte man sich auf APA-Anfrage „gelassen“.

Dass Stronach wie auch die FPÖ auf ein europaskeptisches Wählersegment abzielt, beunruhigt Kickl nach eigenen Angaben nicht. Man werde das unter Parteichef Heinz-Christian Strache gefundene Profil weiterentwickeln und schärfen: „Wir sind mit unserem HC Strache gut aufgestellt. Wir haben eine Offensivstrategie, die wir weiter durchziehen.“ Die FPÖ habe einen „langen Atem“, während sich Stronachs Engagement rasch als „Strohfeuer“ entpuppen könne: „Bei Frank Stronach weiß man ja nicht, ob das in zwei Monaten noch Gültigkeit hat.“

Überrascht ist Kickl, dass Stronach nun doch selbst als Spitzenkandidat antritt. Der FP-Manager wertet das als Signal für „Anlaufschwierigkeiten“, weil es offenbar nicht gelungen sei, einen geeigneten Frontmann zu finden. Außerdem glaubt Kickl, dass Stronachs „Goldene Regel“ - wer das Gold hat, macht die Regeln - vom Wähler abgelehnt werde. Das laufe auf „eine Politik, die man kaufen kann“ hinaus. Schon in seiner Zeit bei Magna habe Stronach versucht, „abgetakelte Altpolitiker“ zu engagieren und so ein umfassendes Lobbyistennetzwerk aufzubauen.

Kritik übt Kickl an Stronachs Forderung nach einem raschen Euro-Austritt. „Der Austritt an sich löst kein Problem“, betont der FP-Generalsekretär. Österreich müsste in so einem Fall nämlich auf sich alleine gestellt zurechtkommen. Daher gehe es darum, eine stabile Hartwährungszone mit mehreren EU-Ländern zu schaffen. Auch die Erfolgsgeschichte des Schillings sei schließlich nur im Verbund mit anderen Hartwährungsländern wie Deutschland und den Niederlanden möglich gewesen.

Beim BZÖ zeigte man sich auf APA-Anfrage „gelassen“ über Stronachs angekündigte Parteigründung. „Frank Stronach hat eine sehr gute Vergangenheit, das BZÖ eine sehr gute Zukunft“, sagte ein Parteisprecher am Montag. Parteichef Josef Bucher war für eine ausführliche Stellungnahme nicht erreichbar. Er will am Abend im ORF-Sommergespräch zu Stronach Stellung nehmen.


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