Raiba: Aufsichtsratschef soll gehen

Ex-Vorstand der Matreier Raiffeisenbank erhebt schwere Vorwürfe. AR-Chef verweist auf Vollversammlung.

Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. –Vertrauliche Kundendaten, die in Bankkreisen die Runde gemacht haben sollen, und eine enge Freundschaft, die dem Benimm-Kodex des genossenschaftlich organisierten Instituts widerspricht: Diese beiden Punkte nennt Christoph Brugger, seit 1. Jänner 2012 pensionierter Vorstand und nunmehr einfaches Mitglied der Raiba Matrei, als Gründe für sein Vorgehen. Er wird bei der Generalversammlung Anfang kommender Woche den Antrag stellen, den Aufsichtsratsvorsitzenden Dietmar Kurzthaler abzuberufen. „Das Vertrauen der Kunden zum Aufsichtsrat ist verloren gegangen. Es heißt immer wieder, man werde sich eine Zusammenarbeit mit der Raiba Matrei in Zukunft überlegen. Denn die Kunden fürchten, dass ihre Daten innerhalb der Genossenschaft bekannt werden“, sagt der Ex-Vorstand im Gespräch mit der TT. Außerdem sei der Aufsichtsratsvorsitzende eng mit Vorstand Martin Brugger befreundet. „Das bewirkt, dass der Aufsichtsratschef gegenüber dem Vorstand befangen ist, und entspricht damit nicht dem Corporate Governance Kodex, der jede ‚Freunderlwirtschaft‘ verhindern soll“, ist Christoph Brugger überzeugt. Ein weiterer Stein des Anstoßes ist für ihn die Höhe der Aufsichtsratsentschädigung, die für das gesamte siebenköpfige Gremium rund 24.000 Euro betragen soll – zwei Drittel davon entfallen laut Brugger auf den Vorsitzenden. „Ich bin der Meinung, dass die Generalversammlung über die Höhe der Entschädigung entscheiden soll. Doch das lehnte Kurzthaler ab.“

Neuer Wahlvorschlag Bruggers, um den Chefposten nachzubesetzen: Christoph Köll, Aufsichtsratsmitglied und Matreier Gemeinderat.

Dietmar Kurzthaler selbst will zurzeit dazu nicht konkret Stellung nehmen. „Der Antrag auf Abberufung entspricht unseren Satzungen. Doch darüber hinaus will ich vor der Vollversammlung nächste Woche nichts dazu sagen“, meint der Aufsichtsratsvorsitzende der Raiba Matrei gegenüber der TT. Auch zu den Details der Vorhaltungen äußert sich Kurzthaler nur so: „Wenn jemand so schwere Vorwürfe erhebt, dann obliegt es ihm auch, diese zu untermauern.“ Er selbst wolle erst nach der Mitgliederversammlung seinen Standpunkt genauer darlegen.

Nun ist die Generalversammlung am Zug. Am 20. August sind die mehr als 4000 Genossenschaftsmitglieder ins Tauerncenter geladen, um über den Antrag abzustimmen. Die Raiffeisenbank Matrei hat Filialen in Prägraten, Virgen, Huben und Kals und beschäftigt rund 30 Mitarbeiter.


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