Orient und Okzident vereint

Wie wunderbar Multikulti funktionieren kann, zeigt die Musik. Völkerverbindend überwindet sie sämtliche Grenzen.

Innsbruck –Was uns das Bauchgefühl sagt, dass die Musik alle Merkmale einer universellen Sprache hat, ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen. Die Beweisführung in der Praxis gelang einmal mehr sehr eindrucksvoll beim Konzert „Baroque Oriental“ mit dem Pera Ensemble im Rahmen der Innsbrucker Festwochen im Tiroler Landestheater. Die Verschmelzung von Orient und Okzident an Beispielen osmanischer Hofmusik und europäischer Barockmusik, über die Kunst der Improvisation als tragende Brücke, zeigte die Musik als das Völker verbindende Element seit Jahrhunderten.

Über historische Handelswege erreichten nicht nur Gewürze und Seide Europa, auch türkisch-osmanische Musikelemente wurden importiert und sorgten z. B. für Hits in der Wiener Klassik. Claudio Monteverdi und Giulio Caccini machten allerdings schon im Barock mit dieser Materie Bekanntschaft und ließen sich davon inspirieren. Ein bemerkenswertes Schicksal ereilte den polnischen Komponisten Wojciech Bobowsky, der an den Hof des Sultans verschleppt als Hofkomponist Alî Ufkî Notensammlungen und musiktheoretische Schriften verfasste. Musik als Ausdruck von Gefühlen wie Freude, Trauer, Wehmut, Sehnsucht, Begehren in Werken von Giulio Caccini, Claudio Monteverdi, Gaspar Sanz, Luigi Rossi, Gazi Giray Han, Alî Ufkî stand auf dem Programm. Mit dem Pera­ Ensemble aus Istanbul unter der Leitung von Mehmet C. Yesilçay­ bedurften die Lautmuster keiner Übersetzung. Die Melodien aus dem alten Europa und das geheimnisvoll Orientalische verdichteten sich zu märchenhaften Klangfabeln. Über dem ungemein reichen, raffiniert bedienten Instrumentarium entfalteten sich die von kostbarer Klangschönheit bestimmten Stimmen der Sopranistin Francesca Lombardi Mazzulli und des aufsteigenden Countertenor-Sterns Valer Barna-Sabadus.

Die sensibel ausgelegten Melodielinien, die technische Finesse, die würdevoll inszenierte Volkstümlichkeit und die eindringliche erzählerische Kraft, mit der die zwei die ganze Gefühlsskala verinnerlichten, bewegte zutiefst. Hingabe pur! (hau)

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