Wallraff im Visier der Justiz

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Enthüllungsjournalisten.

Köln –Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff in zwei Verfahren wegen des Anfangsverdachts der Steuerhinterziehung und des Sozialhilfebetrugs. Außerdem prüft sie eine Anzeige wegen Prozessbetrugs durch eine angeblich gefälschte eidesstattliche Versicherung – hier gibt es aber noch kein Verfahren. Wallraffs Anwalt Winfried Seibert sagte, sein Mandant werde mit den Ermittlern zusammenarbeiten: „Wir halten nichts zurück.“

Wallraff selbst wollte am Montag zu der Frage, ob die Vorwürfe seinen Ruf als Autor gefährdeten, zunächst nichts sagen. Wallraff („Ganz unten“) deckte in der Vergangenheit oft soziale Missstände auf. Zuletzt warf er dem Paketzusteller GLS unzumutbare Arbeitsbedingungen und Dumpinglöhne vor.

Mit den Ermittlungen wegen Sozialhilfebetrugs war nach Presseberichten vom Wochenende bereits gerechnet worden. Es geht um einen ehemaligen Mitarbeiter, der Wallraff vorwirft, ihn illegal beschäftigt, ihm Bezahlung vorenthalten und keine Sozialabgaben für ihn gezahlt zu haben. Wallraff selbst hatte die Vorwürfe bereits im Juli zurückgewiesen: Er habe dem Mann helfen wollen, ihn gelegentlich beschäftigt, aber nie fest angestellt und ihm auch kein monatliches Festgehalt bezahlt.

Überraschender ist ein zweites Verfahren, in dem es um den Vorwurf der Steuerhinterziehung gegen Wallraff selbst geht. Medienberichte, wonach der Autor möglicherweise Honorare nicht ordnungsgemäß versteuert habe, wurden von der Staatsanwaltschaft nicht bestätigt. Schließlich gibt es eine Anzeige wegen Prozessbetrugs im Zusammenhang mit Recherchen Wallraffs in einer Großbäckerei vor vier Jahren. Die Unterschrift unter einer eidesstattlichen Versicherung soll gefälscht gewesen sein. Außerdem seien für andere eidesstattliche Versicherungen bei den Zeugen zunächst Blanko-Unterschriften eingeholt worden. Auf diese Formulare habe man dann später ihre Aussagen gedruckt. Wallraffs Anwalt Seibert will diesen Vorwurf nun eingehend prüfen lassen. Wallraff selbst wisse davon allerdings nichts. (dpa)


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