Bewerbung um Praktikantenstelle endete vor Gericht

Ein 35-Jähriger bewarb sich für eine Stelle als Rechtspraktikant. Er versuchte seine Bewerbungsunterlagen außerhalb der Dienstzeiten abzugeben. Dabei wollte er einen Kanzlei-Mitarbeiter überzeugen, diese auf den bereits abgelaufenen Amtstag rückzudatieren. Der Wiener musste sich deshalb wegen versuchter Bestimmung zur falschen Beurkundung verantworten. Das Verfahren endete in einer Diversion.

Er sei mit seinen Unterlagen am 30. März 2011 zuerst vom Portier ins Präsidium geschickt und dort belehrt worden, dass er diese in der Einlaufstelle abgeben müsse. Diese fand er nicht auf Anhieb, so dass es bereits 15.45 Uhr war, als er dort anklopfte. Obwohl die Bürozeiten an sich um 15.30 Uhr vorbei sind, ließ die männliche Kanzleikraft den Juristen noch vorsprechen. Sein Anliegen konnte er jedoch nicht mehr erfüllen, worauf der frisch gebackene Akademiker nach Angaben des Gerichtsbediensteten ungut wurde und in einem 20-minütigen Gespräch deutlich machte, dass jener die Papiere gefälligst noch entgegennehmen und mit dem Stempel des aktuellen Tages versehen solle.

„Ich habe ihm nur gesagt, er soll es so machen, wie es gesetzlich geboten ist. Wenn das strafbar ist, ist die Schwelle zur Strafbarkeit so niedrig, dass ich mit einem Beamten in Zukunft nur mehr in Gegenwart eines Zeugen reden werde“, gab der Angeklagte zu Protokoll. Er habe von dem Mann nichts Rechtswidriges verlangt. „Ein objektiv begleitender Beobachter hätte das auch nicht so verstanden. „Das Wort ‚Rückdatieren“ kam nicht vor“, insistierte der Jurist vor Richterin Bettina Körber.

Sein Vater erklärte im Anschluss im Zeugenstand, der Sohn wäre im Vorjahr unter erheblichem psychischem Druck gestanden und habe an einer „posttraumatischen Bewusstseinsstörung“ gelitten. Man möge das berücksichtigen.

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Am Ende wurde die nicht alltägliche Strafsache diversionell erledigt. Der 35-Jährige ließ sich von Verteidigerin Irene Pfeifer zu einem Geständnis überreden und entging gegen Bezahlung einer Geldbuße von 200 Euro einer Vorstrafe.


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