Wie gehabt: Wir sind nur die Underdogs

Das ÖFB-Team peilt den ersten Sieg seit 23 Jahren gegen die Türkei an. Teamchef Koller befragt in puncto Aufstellung noch seinen Bauch.

Von Hubert Winklbauer

Wien –Das ÖFB-Team spielt heute gegen die Türkei. Und schlüpft dabei in eine Rolle, die es seit Jahren fleißig geübt hat: Wir geben den Underdog, den Außenseiter, den prognostizierten Loser. Der türkische Gegner hat in der EM-Qualifikation ein Wellental durchschritten, hatte sich für die EM 2012 nicht qualifiziert. Die erste türkische Liga ist im Vorjahr im Korruptionssumpf fast versunken, einige Funktionäre großer Klubs sind noch immer in Haft. Chaos pur im türkischen Fußball. Dagegen ist der rotweißrote Klubfußball ein Ausbund an Korrektheit.

Aber die kriselnden Türken sind mit ihrer Nationalmannschaft die Nr. 33 der Weltrangliste. Wir die Nr. 60. Wir haben angeblich Nachwuchskonzepte, um die uns halb Europa beneidet. Aber wir konnten gegen den WM-Dritten von 2002 seit 23 Jahren schon nicht mehr gewinnen.

Also üben wir uns wieder einmal im Starkreden, im Verdrängen des unguten Gefühles, dass uns die Ausfälle von Alaba­, Ar­nautovic und Janko (mit Trainingsrückstand nur auf der Bank) schon entscheidend schwächen könnten.

Rund 20.000 Fans werden heute im Happel-Stadion erwartet. Teamchef Koller hätte es gerne ausverkauft gehabt. Ein halbvolles Stadion ergibt eben keinen ganzen 12. Mann. Für die Fans ist es eben „nur“ ein Freundschaftsspiel, für die Kicker ist es mehr. Speziell für die rotweißroten. Wer heute nicht über sich hinauszuwachsen imstande ist, hat fürs Spiel der Spiele, den WM-Quali-Treff am 11. September in Wien gegen Deutschland, schlechte Karten. Es ist also ein Quali-Spiel. Kollers Schützlinge sind allesamt fit. Auch der am Kopf lädierte Scharner. Gestern ließ der Trainer unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus allen Rohren aufs Tor ballern. Motto: Selbstbewusstsein lässt sich auch erzwingen. Didi Constantini hatte in der EM-Quali gegen die Türken (0:0 daheim, 0:2 auswärts) wichtige Punkte liegen lassen. Obwohl er damals wohl gesagt haben wird, was Marcel Koller seinen Kickern in den letzten beiden Tagen eingebläut hat: Aggressivität gegen den Gegner, Streicheleinheiten für den Ball, Lust zum Laufen, Willen zum Zweikampf, Ruhe im Spielaufbau, Entschlossenheit und Fehlerminimierung in der Defensivzone, kontrolliertes Künstlertum vorm gegnerischen Tor.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Ob seine Spieler, speziell Leute wie Kavlak oder Pehlivan mit Migrationshintergrund, sich beim Abspielen der Hymne als Vorsänger hervortun sollten, ist dem Coach kein wichtiges Thema. Die Startformation hat Teamchef Koller auf zehn Positionen im Kopf, bei den restlichen zwei soll der Bauch entscheiden.

Der neue Teamkapitän Christian Fuchs will, dass seine Mitspieler couragiert auftreten. Sich klein machen bringe nichts. Außerdem habe das ohnehin schon der Gegner mit dem ÖFB-Team vor, der mit der Referenz von zuletzt drei Siegen in Folge (2:0 gegen Bulgarien, 3:1 gegen Portugal, 2:0 gegen die Ukraine) mit breiter Brust angereist ist. Für Janko stellt die Rückstufung zum Ex-Kapitän nach eigenen Angaben kein Problem dar. „Ich freue mich für Christian und ich hoffe, er gewinnt mehr Münzwürfe als ich.“ Außerdem zähle nur der Teamerfolg, nicht persönliches Befinden. Na dann ...


Kommentieren