Die Sonne scheint für alle

Der isländisch-dänische Künstler Olafur Eliasson hat eine solarbetriebene Leuchte entwickelt, mit der er Licht in die Gegenden ohne Stromversorgung bringen möchte. Noch dazu sei „Little Sun“ ein Kunstwerk.

Von Vanessa Grill

Innsbruck –Olafur Eliasson ist bekannt für seine Lichtinstallationen. 2003 bestrahlte er die Tate Modern in London mit einer riesigen Sonne. 2008 sorgte er mit seinem Projekt „Yellow Fog“ in Wien für Aufsehen. Beleuchteter Nebel stieg an der Fassade der Österreichischen Elektrizitätswirtschaft hoch.

Sein neuestes Werk soll nicht mehr nur an einem Ort zu sehen sein. Eliasson will Licht spenden. Gemeinsam mit dem dänischen Ingenieur Frederik Ottesen hat er eine handtellergroße solarbetriebene Lampe entwickelt. Sie sieht aus wie eine Sonnenblume und kann bei Bedarf als Tisch-, Fahrrad- oder Taschenlampe dienen. Die Solarzelle auf der Rückseite der „Little Sun“ sammelt untertags Licht. Fünf Stunden Ladezeit und sie gibt fünf Stunden LED-Licht ab. Insgesamt soll sie drei Jahre haltbar sein. Bei der Ausführung achteten die Eliasson und Ottesen darauf, dass sie robust, hitzebeständig und langlebig ist. Durch die Löcher in den „Sonnenstrahlen“ kann die Lampe mit Bändern schnell und einfach irgendwo befestigt werden.

„Little Sun“ soll den 1,6 Mrd. Menschen helfen, die weltweit ohne Anbindung an das Stromnetz leben. Wenn es nach dem isländisch-dänischen Künstler geht, wird sie die in Afrika weit verbreiteten Kerosinlampen ersetzen. Die Gefahr von Brandunfällen könnte seines Erachtens dadurch miniert, der gesundheitsschädliche Ruß vermieden werden.

Gratis will er seine Lampe jedoch nicht an die Ärmsten der Armen verteilen. In Europa kann man „Little Sun“ um 20 Euro erwerben. Quersubventioniert wird damit der Preis für Entwicklungsländer, wo die Lampe etwa elf Dollar kosten soll. Viel Geld, wenn man bedenkt, dass laut Weltbank 1,3 Mrd. Menschen von weniger als 1,25 Dollar am Tag leben müssen. Dafür würden sich die Leute aber das Geld für Kerosin sparen und das mache immerhin drei bis fünf Dollar im Monat aus, argumentiert Olafur Eliasson. Nun ist der kreative Kopf natürlich nicht der Erste, der eine Solarlampe für die Dritte Welt erfunden hat, seine Lampe sei aber Kunst, die nicht nur in Museen zu sehen sei, sondern in die Welt hinausgetragen werde.

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Bis zum Jahr 2020 will Eliasson mehr als 50 Millionen Produkte verkauft haben und die PR-Maschinerie läuft. Noch bis 23. September findet in der Londoner Tate Modern die Aktion „Tate Blackout“ statt. Dabei werden die Lichter ausgeschaltet und die Besucher erkunden das finstere Museum. Nur die „Little Sun“ in der Hand spendet ihnen Licht.


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