Erstes Handy als Strahlungsmesser

Von Bernhard Bartsch...

Von Bernhard Bartsch

Peking –Es ist eine Funktion, die hoffentlich kein Benutzer je brauchen wird: Gut ein Jahr nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat der japanische Telekomkonzern Softbank ein Handy mit eingebautem Strahlenmesser auf den Markt gebracht. Das bunte Telefon namens „Pantone 5“ soll Kunden in die Lage versetzen, sich im Fall eines Atomunfalls unabhängig von offiziellen Daten über die Bedrohung zu informieren. 2011 hatten Tokios Regierung und der Fukushima-Betreiber Tepco Informationen über die radioaktive Belastung tagelang zurückgehalten und damit Zehntausende Menschen erhöhter Strahlung ausgesetzt.

„Nach der Katastrophe war uns sofort klar, dass wir ein Handy mit Radioaktivitätsmessung entwickeln sollten“, sagt Hiroaki Watanabe von Softbank. Mit einem einzigen Knopfdruck lasse sich ein Wert für die aktuelle Strahlenbelastung anzeigen. Eine genaue Bestimmung dauert zwei Minuten. Auch wenn das Telefon unbenutzt in der Tasche ist, führt es regelmäßig Messungen durch. Übersteigt die Radioaktivität einen bestimmten Wert, klingelt das Handy. Die Daten werden in eine Strahlungslandkarte eingespeist, auf die jeder Benutzer zugreifen kann. So ließe sich im Ernstfall bei der Flucht aus einer Gefahrenzone nachverfolgen, wo man tatsächlich sicher sei. Als Zielgruppe nennt Softbank vor allem Mütter. „Wir wollen aber auf keinen Fall Angst schüren, sondern im Gegenteil einer möglichen Panik entgegenwirken“, erklärte Watanabe. Die Anwendung sei nicht als Notfall-App gestaltet. Das Handy kostet monatlich mindestens 5400 Yen (56 Euro).

Indes wurde bekannt, dass die radioaktive Fukushima-Strahlung das Erbgut von Lebewesen verändert und zu Missbildungen geführt hat. Japanische Forscher entdeckten deformierte Schmetterlinge und stellten Mutationen bis in die dritte Generation fest. Auch Menschen fürchten die Folgen.

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