Faber „nicht unglücklich“ über Ungehorsams-Debatte

Toni Faber, Dompfarrer von St. Stephan, kann der Debatte über priesterlichen Ungehorsam einiges Positives abgewinnen. „Ich bin grundsätzlich mit dieser Initiative - obwohl es dem Kardinal (Christoph Schönborn, Anm.) und manchen Priestern sehr viel Druck bereitet hat - nicht unglücklich. Weil ohne Druck bewegt sich halt viel zu wenig“, sagte er im Interview mit der APA.

Selbst unterzeichnen würde er den Aufruf der Pfarrer-Initiative aber nicht. Faber ist der festen Überzeugung, dass viele Mitglieder davon - „einige, die ich davon ganz persönlich jahrzehntelang als eifrigste Seelsorger kenne“ - nicht das meinen, was ihnen von manchen Vertretern der römisch-katholischen Kirche vorgeworfen werde. „Dass sie zur Revolution oder zur Reformation aufrufen, das stimmt nicht. Sie wollen aber eine neue Qualität der Begegnung, eine neue Qualität des Gesprächs, und darin unterstütze ich sie. Nicht aber in der Unterschriftenleistung in einem Aufruf zum Ungehorsam.“

Wie Kardinal Schönborn und Helmut Schüller, Gründer der Pfarrer-Initiative, ist auch Faber Mitglied im Priesterrat der Erzdiözese Wien, wo auch über die Forderungen der Reformer diskutiert werde. Dass man dort nicht alle Fragen, wie Frauenpriestertum oder Aufgabe des Zölibats klären könne, sei klar, aber: „Wenn sich nicht teilkirchlich etwas an Diskussion schon vorne weg bewegt, wird das Gesamtschiff sehr schwer in Bewegung geraten.“ Es sei auch nicht so, dass Rom alles bremse.

Dass die gegenwärtige Situation der Kirche es Seelsorgern automatisch schwer mache, glaubt Faber nicht. „Ich kenne viele Pfarrerkollegen, die auch kleine Gemeinden mit größtem Erfolg führen.“ Strukturveränderungen seien trotzdem unabwendbar, denn: „Es gibt nicht so sehr den Priestermangel, sondern viel mehr den Katholikenmangel.“

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Vermehrte Kritik an der Präsenz von Religion im öffentlichen Raum sieht der Dompfarrer gelassen. „Also ich habe diese Atheisten noch nicht getroffen.“ Faber bleibt in seiner Sicht auf die Zukunft der Kirche jedenfalls optimistisch: „Todeszeichen zu sehen ist zu früh.“


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