Seit sechs Monaten Koma – Frisos Familie vor schwerer Entscheidung

Am 17. Februar wurde Prinz Friso von einer Lawine in Lech am Arlberg verschüttet. Nach langem Bangen und Hoffen in Innsbruck folgte bittere Diagnose. Sechs Monate später hat sich an dieser nur wenig geändert.

Prinz Johan Friso von Oranje wurde im Februar 2012 beim Skifahren in Lech von einer Lawine verschüttet. Nach fast eineinhalb Jahren im Koma verstarb er am 12. August 2013.
© EPA/FRANK VAN BEEK

Amsterdam – Für die kleinen Gräfinnen Luana (7) und Zaria (6) sollte der Geburtstag ihrer Mutter so unbeschwert wie möglich werden, traditionell mit Girlanden und Kuchen. Doch der 44. Geburtstag der niederländischen Prinzessin Mabel am vergangenen Samstag in London war kein Freudentag.

Seit sechs Monaten liegt ihr Mann, Prinz Friso, nach einem Lawinenunglück in Lech am Arlberg mit schweren Hirnverletzungen im Koma. Täglich besucht Mabel ihren Mann im Londoner Wellington-Krankenhaus. Auch Königin Beatrix fliegt einmal in der Woche zu ihrem zweitältesten Sohn.

Seit dem 17. Februar ist für die königliche Familie nichts mehr wie früher. An jenem Freitag wurde der 43 Jahre alte Prinz beim Skifahren von einer Lawine verschüttet. 25 Minuten lag er ohne Sauerstoff unter den Schneemassen, 50 Minuten lang musste er reanimiert werden. Zu lange.

Seit Monaten unveränderter Zustand

Es folgten Tage zwischen Bangen und Hoffen. Würde der Prinz überleben und könnte er jemals wieder gesund werden? Der Chefarzt der Traumabteilung des Landeskrankenhauses Innsbruck, Wolfgang Koller, machte eine Woche nach dem Unfall wenig Hoffnung: „Es kann derzeit nicht gesagt werden, ob er jemals wieder das Bewusstsein erlangen wird.“

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Seitdem ist der Zustand des Prinzen unverändert. Noch im Juli hatte sein Bruder, Kronprinz Willem-Alexander, erklärt: „Ich hoffe, dass wir in Zukunft mit einem positiven Bericht kommen können.“ Doch danach sieht es nicht aus.

„Sechs Monate sind eine kritische Grenze“, sagt der medizinische Ethiker am Erasmuskrankenhaus der Universität Rotterdam, Erwin Kompanje. „Bis dahin hofft man noch auf eine Besserung.“

In den Niederlanden wird nach einem halben Jahr von Ärzten und Angehörigen erwogen, die Behandlung zu beenden. Aber der Prinz liege in einer Londoner Klinik, betont Kompanje, der die niederländischen Richtlinien für die Behandlung von Komapatienten mitentwickelt hat. „Die königliche Familie wird vor schweren Entscheidungen stehen.“

Dazu schweigt der Hof. In der vergangenen Woche gab es aber ein Indiz, dass die Oranjes das Unabänderliche akzeptiert haben. Frisos Biografie auf der königlichen Website wurde angepasst. „Prinz Friso wurde am 17. Februar Opfer einer Lawine im Skigebiet von Lech, Österreich“, steht dort nun schwarz und weiß.

„Sie entschieden sich für den schweren Weg“

Schnell nahm Königin Beatrix nach dem Unglück ihre Aufgaben als Staatsoberhaupt wieder wahr. „Jeder hätte verstanden, wenn die Oranjes alles abgesagt hätten,“ meinte der Königshaus-Reporter des Privatsenders RTL, Antoin Peeters, voller Hochachtung. „Aber sie entschieden sich für den schweren Weg. Alle Termine wurden eingehalten.“

Auch den Königinnentag am 30. April, den „koninginnedag“, feierte die Familie mit Ausnahme von Prinzessin Mabel traditionell gemeinsam mit dem Volk. Eine Welle von Sympathie schlug ihr entgegen. „Sie ist eine tapfere Frau,“ sagt Janneke Visser aus Amsterdam. „Ich bin nicht für die Monarchie, aber das ist doch schrecklich für jede Mutter.“ Die meisten Niederländer hätten Verständnis, wenn Beatrix, die im Jänner 75 Jahre alt wird, bald abdanken würde.

Jetzt erlebten Millionen auf den Bildschirmen auch wieder eine fröhliche Familie. Bei den olympischen Spielen in London jubelten Willem-Alexander, Prinzessin Maxima und ihre drei Töchter den niederländischen Sportlern zu. Und mit ihnen auf der Tribüne hopsten ausgelassen auch Luana und Zaria, die Töchter von Mabel und Friso. (APA, dpa)


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