Redeverbot für „Tanten“ schürt Zwist in Sillian

Kindergärtnerinnen durften erst nach Kampfabstimmung zum Neubau Stellung nehmen. Vize-BM sagt sich von seinem Listenführer los.

Von Catharina Oblasser

Sillian –„Ich bin zutiefst verwundert. So etwas ist mir in meiner 20-jährigen Tätigkeit noch nicht untergekommen.“ Anton Calovi, Vizebürgermeister von Sillian, kann das Vorgehen seines Listenkollegen, Bürgermeister Erwin Schiffmann (ÖVP), nicht verstehen. Denn dieser wollte in der letzten Gemeinderatssitzung zum strittigen Thema „Kindergartenneubau“ die anwesenden Kindergärtnerinnen nicht zu Wort kommen lassen. „An einer öffentlichen Sitzung darf jeder teilnehmen. Man kann wohl davon ausgehen, dass die betroffenen Kindergärtnerinnen etwas dazu zu sagen haben“, ereifert sich Calovi.

Anberaumt wurde die Sitzung aufgrund eines Dringlichkeitsantrags der Sillianer Opposition. „Wir verlangen eine Prüfung, ob Kindergarten und das Osttiroler Kinderbetreuungszentrum OKZ auch nach dem Umbau unter einem Dach sein sollen. Unserer Meinung nach ist zu wenig Platz“, erklärt Listenführer Hermann Mitteregger. Er verlangt, dass die Gemeinde zumindest über Alternativen nachdenkt. Auch deshalb seien die drei Kindergärtnerinnen bei der Sitzung dabei gewesen.

Ihre Meinung als direkt Betroffene hätten sie nach dem Wunsch des Bürgermeisters, der über eine absolute Mehrheit verfügt, allerdings für sich behalten sollen. Bis Calovi einen Antrag auf Redeerlaubnis stellte. „Der wurde mit 8:7 Stimmen angenommen. Das heißt, dass auch ein weiteres Mitglied der Bürgermeisterliste gegen das Redeverbot war und die ‚Tanten‘ zu Wort kommen lassen wollte“, schildert Mitteregger. „Eine ÖVP-Mandatarin ist ausgeschert“, beschreibt es Calovi.

Erwin Schiffmann sieht die Sache gelassen. „Das ist eine ganz normale demokratische Entscheidung. Wenn jemand auf meiner Liste eine andere Meinung hat, dann soll er sie haben.“ Die Angelegenheit werde von der Gegenseite hochgespielt, meint Schiffmann, der auch ÖVP-Bezirksobmann ist. Von den Umbauplänen seien nicht nur die Kindergärtnerinnen betroffen, sondern auch das OK-Zentrum. „Doch von denen war kein Vertreter zur Sitzung eingeladen. Entweder es kommen beide Seiten zu Wort oder gar keine“, rechtfertigt er sein Redeverbot gegenüber den Pädagoginnen. Für Schiffmann ist die gemeinsame Unterbringung von beiden Betreuungseinrichtungen unter einem Dach bereits beschlossene Sache. „Das gehört zusammen. Wir werden nicht einen Teil davon auslagern.“

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Anton Calovi, einst ein treuer Weggefährte Schiffmanns, habe sich seit einer geplanten Geldspritze der Gemeinde für Heinz Schultz immer mehr distanziert. „Wir haben kaum mehr Kontakt, aber das ist für mich kein Problem“, meint der Bürgermeister.

„Ich war zwar bei den Gemeinderatswahlen auf der Schiffmann-Liste, doch ich übe mein Mandat jetzt frei aus“, kontert Calovi – ähnlich einem wilden Abgeordneten. „Schließlich wurde ich mit 147 Vorzugsstimmen direkt gewählt.“ Er werde sich für mehr Demokratie einsetzen, so der Lehrer, der schon die vierte Periode im Sillianer Gemeinderat sitzt.


Kommentieren