Landflucht wird zum Problem

Täler verlieren bis zu ein Fünftel der Erwerbsfähigen. Dörfer sollen attraktiver werden.

Reith i. A. –„Der Wohlstand eines Staates manifestiert sich wesentlich durch eine flächendeckende Infrastruktur sowie Bildungseinrichtungen in Stadt und Land“, so lautet die Einstiegsthese von EU-Konsulent Johannes Außerladscheiter im Rahmen des „3. Dialogs im Stoffelhäusl“ in St. Gertraudi, zu dem er mit Martin Reiter eingeladen hatte. Dass die Ausgewogenheit zwischen Stadt und Land in Gefahr, ja bereits beim Kippen sei, bestätigte der Präsident des Bundesrates, Georg Keuschnigg. Er forderte daher gemeinschaftliches Denken und die Bereitschaft eines finanziellen Ausgleichs zwischen Stadt- und Landgemeinden.

Die Landflucht wird in den nächsten Jahren rapide zunehmen, zeigen Prognosen. Keuschnigg: „Hier sind es wieder in erster Linie junge Frauen, die aus den Dörfern abziehen. Die Männer sind eher noch durch männlich dominierte Vereine u. Ä. an ihre Heimatgemeinden gebunden.“

Schon jetzt zeige sich laut Keuschnigg, dass Innsbruck-Stadt an Einwohnern gewinnt. 16.506 sind 2010 nach Innsbruck gezogen, 15.577 wieder weg. Ergibt einen positiven Saldo von 929. Am zweitbeliebtesten ist der Bezirk Innsbruck-Land. Anders sieht es in den Bezirken Land­eck, Lienz und Reutte aus. Diese verloren Einwohner. Alle anderen Bezirke steigen leicht positiv aus.

Diese Tendenz bestätigte Raumplaner Robert Ortner: „Bereits jetzt verlieren manche Talschaften in Tirol bis zu ein Fünftel ihrer Erwerbsfähigen.“ Österreichweit verlieren 1000 Gemeinden bis zu 2035 Einwohner und damit auch Geld. „Wir müssen beim Finanzausgleich den Abrechnungsmodus ändern. Entscheidend darf nicht mehr sein, wie viele Menschen in welcher Gemeinde leben“, erklärt Keuschnigg. Ortner wies auf die Kostenbelastung bei der Erschließung neuer entlegener Baugebiete hin. Ein Lösungsansatz wäre für ihn, Anreize für die Revitalisierung und Ausnutzung bereits erschlossener Dorfgebiete zu schaffen.

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Die Gründe, warum es Menschen in die Städte zieht, sind leicht erklärt: Jobs und Ausbildungsmöglichkeiten wirken wie Magneten. Es gelte also, den ländlichen Raum attraktiver bzw. leichter mit Öffis erschließbar zu machen.

Ein Problem manifestiert sich bereits im ländlichen Raum. Die Zahl der Landärzte geht zurück. Einige Praxen drohen zu verwaisen. (TT)


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