US-Wahlkampf 2012: härter, hässlicher und persönlicher

Es wird ruppig im US-Wahlkampf. Mitt Romney zeigt sich dünnhäutig. Und dann bringt Obama auch noch die Sache mit dem Hund ins Spiel - früher hätte er sowas nie getan.

Von Peer Meinert

Washington – Eigentlich liegt die Sache mit dem Hund Seamus Jahrzehnte zurück. Irgendwann in den 80er Jahren soll Mitt Romney das Tier samt Box aufs Autodach geschnallt haben - damit die Familie auf dem Weg in die Ferien mehr Platz im Wagen hatte. Immer mal wieder macht die nicht eben zartfühlende Behandlung des Vierbeiners die Runde, samt Aufschreien von Tierschützern. Jetzt hat sogar Barack Obama die bizarre Angelegenheit aus der Wahlkampfkiste geholt - bezeichnend für das Niveau der Auseinandersetzung.

Genüsslich bereitet Meisterrhetoriker Obama bei einem Wahlkampfauftritt im Mittelwest-Staat Iowa die Pointe vor. Habe doch Romney erst kürzlich, als er gegen erneuerbare Energie zu Felde zog, gesagt, man könne „kein Auto mit einer Windmühle auf dem Dach“ antreiben. „Ich weiß nicht, ob er das tatsächlich ausprobiert hat“, fügte Obama hinzu. Dann lächelt der Präsident maliziös. „Ich weiß nur, das er andere Dinge auf dem Dach seines Autos hatte.“ Jeder in Iowa weiß, worauf Obama anspielt.

Auch Obamas Vize schlägt zu

Es ist unübersehbar: Der Kampf ums Weiße Haus wird ruppiger. Die Angriffe werden härter, hässlicher und persönlicher. Es scheint, dass die Ernennung des republikanischen Vize-Kandidaten Paul Ryan die Auseinandersetzung zuspitzt. Immer mehr wird das Rennen zum kompromisslosen Lagerwahlkampf.

Auch Vizepräsident Joe Biden schlägt rhetorisch zu. Romney wolle die Reichen reicher machen und den Banken mehr Macht und mehr Spielraum geben. „Wall Street losketten“, nennt das Biden vor vornehmlich schwarzem Publikum in Südstaat Virginia. „Sie werden Euch alle wieder in Ketten legen.“ In Ketten legen - und das im Ex-Sklavenhalter-Staat Virginia - böse Erinnerungen kommen da auf.

Romney, ansonsten mit Angriffen auch nicht zimperlich, gibt sich demonstrativ empört. „Wild und rücksichtslos“ seien die Anschuldigungen. „Ein Schande für das Amt des Präsidenten“. Tatsächlich zeigt sich der Herausforderer erstaunlich dünnhäutig.

Romneys „Heuschrecken“

Sauer aufgestoßen ist Romney vor allem auch ein Wahlspot von Obama-Unterstützern, der ihm vorwirft, als ehemaliger Chef des Finanzinvestors Bain Capital für den Tod einer Frau mitverantwortlich zu sein. Die Frau sei an Krebs gestorben, nachdem ihr Ehemann arbeitslos geworden und dadurch auch sie die Krankenversicherung verloren habe - nachdem Romneys „Heuschrecken“ das Unternehmen übernommen hätten.

Ein Renner im US-Fernsehen war auch ein anderer Obama-Spot, der Romney ebenfalls unter die Haut geht. Zu hören ist da, wie Romney ein patriotisches Lied („America the Beautiful“) singt. Gleichzeitig sind Bilder palmenumsäumter Steueroasen zu sehen. Romney, der Multimillionär, habe Gelder auf den Cayman-Inseln und den Bermudas gebunkert, heißt es. „Mitt Romney ist nicht die Lösung. Er ist das Problem.“

Vor vier Jahren war Obama auch als der große Versöhner gewählt worden - als Mann, der das Parteiengezänk hinter sich lassen wollte. Damals weigerte sich Obama standhaft, mit persönlichen Angriffen schmutzigen Wahlkampf zu betreiben. Diesmal ist er nicht so zurückhaltend. (dpa)


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