Pussy-Riot-Aktionen in Wien und Moskau

Vier vermummte Gestalten haben aus Solidarität mit der Moskauer Frauen-Punkband Pussy Riot den Altar der russisch-orthodoxen Kathedrale in Wien gestürmt. Wie die regierungskritischen Musikerinnen aus Russland trugen die vier bunte Gesichtsmasken und ließen sich im Altarraum mit einem Banner fotografieren, wie ein Kirchenvertreter am Mittwoch sagte.

Die beiden einzigen Besucher der Kathedrale zum Heiligen Nikolaus seien empört gewesen, doch es es sei kein Sachschaden entstanden. „Leider gibt es Menschen, die heilige Stätten für ihre eigenen Werbezwecke missbrauchen. Dies ist eine Kirche und wir sind nicht auf geistesgestörte Menschen eingestellt“, fügte der Vertreter von St. Nikolaus hinzu. Die Fotos der Blitzaktion veröffentlichte die Gruppe im Internet, um die Botschaft des Banners „Gott liebt Pussy Riot, befreit Pussy Riot“ zu verbreiten.

Die Moskauer Polizei hat unterdessen wenige Tage vor der Urteilsverkündung im Fall der russischen Punkband erneut Unterstützer der regierungskritischen Künstlerinnen festgenommen. Die Sympathisanten müssten sich wegen einer illegalen Kundgebung an der Moskauer Erlöserkathedrale in Kürze vor Gericht verantworten, teilte die Polizei am Mittwoch der Zeitung „Nowaja Gaseta“ zufolge mit. Das Blatt berichtete von fünf Festnahmen, die Behörden bestätigten deren vier.

Im Prozess gegen die Pussy-Riot-Mitglieder wegen einer kremlkritischen Performance in der Erlöserkathedrale wird am kommenden Freitag das Urteil erwartet. Die drei inhaftierten Frauen von Pussy Riot hatten im Februar am Altar der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein „Punkgebet“ aufgeführt. Mit ihrem Auftritt kurz vor der Präsidentenwahl protestierten die Musikerinnen gegen Russlands heutigen Staatschef Wladimir Putin und kritisierten dessen Beziehungen zur mächtigen russisch-orthodoxen Kirche. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Angeklagten jeweils drei Jahre Haft.


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