Aufständische greifen Luftwaffenbasis in Pakistan an - zehn Tote

Die schwer bewaffneten Taliban griffen im Morgengrauen an. Das Ziel der waghalsigen Attacke: Ein Stützpunkt der pakistanischen Luftwaffe. Aus Sicherheitskreisen heißt es, dort lagerten keine Atomwaffen.

Islamabad - Bei einem Überfall der Taliban auf eine Luftwaffenbasis in der nordpakistanischen Provinz Punjab sind mindestens neun Aufständische und ein Soldat getötet worden. Der Kommandeur des Stützpunkts in Kamra und ein weiterer Soldat seien bei den mehr als zweistündigen Gefechten am Donnerstag verwundet worden, sagte ein Luftwaffen-Sprecher.

Die Aufständischen sprachen von einem Racheakt für die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden 2011 und vom Chef der pakistanischen Taliban (TTP) Baitullah Mehsud 2009 durch die USA. TTP-Sprecher Ihsanullah Ihsan kündigte weitere Angriffe auf militärische Ziele an. Die Zeitung Dawn berichtete im Internet unter Berufung auf einen Augenzeugen, einige der Angreifer hätten Armeeuniformen getragen.

Der Luftwaffensprecher sagte, acht Extremisten seien in der Basis getötet worden. Ein weiterer habe sich außerhalb der Mauern in die Luft gesprengt. Die Angreifer seien mit Sprengstoffwesten, Sturmgewehren und Panzerfäusten ausgerüstet gewesen. Aufständische hätten von außerhalb der Basis mit Panzerfaust-Granaten ein Flugzeug beschädigt. Der Überfall hatte vor dem Morgengrauen begonnen.

Keine Atomwaffen auf dem Stützpunkt

Aus pakistanischen Sicherheitskreisen wurde Spekulationen widersprochen, wonach auf der Basis Atomwaffen lagern könnten. „Das ist Wunschdenken aufseiten einiger westlicher Medien und hat mit der Realität nichts zu tun“, hieß es. Die Atomwaffen des südasiatischen Landes seien unter Kontrolle.

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Die Basis liegt rund 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Islamabad. Insgesamt 30 Kampfjets des Typs JF-7 Thunder aus chinesischer Herstellung und des französischen Typs Mirage sind dort stationiert. In der Basis sind auch Anlagen zur Montage von JF-7 Thunder- und zur Wartung von Mirage-Kampfflugzeugen.

US-Angriffe auf Taliban in Pakistan

Aufständische wie die Taliban greifen in Pakistan immer wieder Armeestützpunkte an. Im vergangenen Jahr waren bei einem Überfall auf eine Basis der Marineflieger in der südpakistanischen Hafenmetropole Karachi mehrere moderne Flugzeuge zerstört worden. Bei einem Selbstmordanschlag am Eingang der Luftwaffenbasis in Kamra waren 2009 zwei Offiziere und sechs Zivilisten getötet worden.

Baitullah Mehsud, der die Dachorganisation Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) anführte, war 2009 bei einem US-Drohnenangriff im Grenzgebiet zu Afghanistan getötet worden. Bin Laden wurde im Mai vergangenen Jahres bei einem Angriff von US-Spezialkräften in der nordpakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad erschossen, wo der Top-Terrorist jahrelang untergetaucht war.

Pakistan ist offiziell ein Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terrorismus. Das Verhältnis der beiden Staaten ist aber besonders seit der Tötung Bin Ladens durch amerikanische Truppen auf pakistanischem Territorium schwer belastet. (dpa)


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