Zwei Pinguine in den Stubaier Alpen „vermisst“

Mit einer kuriosen Vermissten-Meldung sehen sich Wanderer derzeit im Fotschertal konfrontiert. Ulrike Schmid fahndet nach treuen Bergkameraden, die ihr dort abhandengekommen sind.

Von P. Hetfleisch und J. Prugger

Sellrain – Wer dieser Tage den beliebten Familien-Ausflug von Sellrain aus durchs malerische Fotschertal in Richtung Potsdamer Hütte in Angriff nimmt, dem sticht eine kuriose Vermissten-Meldung sofort ins Auge. Fein säuberlich von einer Klarsichthülle geschützt, prangen da alle paar Hundert Meter Zettel an Bäumen. „Vermisst“ steht in großen Lettern drauf und direkt darunter sind sie zu sehen, die vier süßen Stoffpinguine vor einem grandiosen Bergpanorama.

So wie es sich für eine ernst gemeinte Vermissten-Meldung gehört, hat die Urheberin ihren Namen und ihre Telefonnummer zum Abreißen an der unteren Kante der Zettel angebracht. Ulrike Schmidt ist ihr Name.

Den Anfang nahm die Geschichte der Vermissten-Meldung vor 25 Jahren, als Schmids Vater sich in einem Geschäft des letzten kleinen Plüschtiers, das scheinbar niemand mehr haben wollte, erbarmte und es kaufte.

Ulrike Schmid hat den Pinguin seitdem auf ihren Reisen und Bergtouren mitgenommen. Und hat „ganz unweigerlich eine pinguphile Affinität entwickelt“, erzählt sie im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung Online.

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Eine kleine Katastrophe

Im Laufe der Zeit kamen die anderen drei hinzu. Wobei der rote Plüschvogel der Farbenblindheit des Schenkenden geschuldet ist. „Eine wahrlich bunte Überraschung“, meint die Münchnerin. Sie verbrachte eineinhalb Jahre in den USA. Auf dem Küchentisch ihres Gastgebers wartete eines Tages das flauschige Geschenk auf sie. Und weil die Gattin des noblen Schenkers ihn ständig daran erinnerte, dass er mal wieder etwas nicht richtig gemacht hatte, bekam der rote Pinguin auch gleich seinen Namen: „That’s you Carl“ (mal wieder Carl).

„Seit mehr als zehn Jahren existiert diese ,Alpinguin‘-Truppe und mir hätte etwas gefehlt, wenn ich sie nicht zu meinen hauptsächlich alpinen Unternehmungen mitgenommen hätte – selbst bei knappster Gepäckkapazität musste dieser Luxus sein“, schildert Schmid ihre innige Beziehung zu den Tieren.

Doch dann geschah es. Auf der Forststraße von der Potsdamer Hütte zurück nach Sellrain gingen am 5. August zwei der vier Pinguine verloren. Für Schmid eine kleine Katastrophe. Denn nach all den Jahren sind ihr die Plüschtiere so richtig ans Herz gewachsen und mit ihnen sind auch so manche schöne Erinnerungen verbunden.

Zum Beispiel damals, als sie auf der Memminger Hütte die Pinguine samt Rucksack zum Trocknen auf die verschneite Terrasse setzte und sie für einen kurzen Spaziergang alleine ließ. Als sie zurückkam, „waren einige Leute da“. Diese saßen eng zusammen, „weil die Pinguine ihren Platz behauptet haben“. „Als ich dann den Platz etwas peinlich berührt schnell frei gemacht habe hat ein Herr nur gemeint, dass die schon genial sind, die Pinguine.“

Nächste Tour bereits geplant

Seitdem – so die stolze Vogel-Mama – „bilden sie sich was darauf ein, die Pinguine“.

Umso mehr schmerzt die Münchnerin der Verlust von „Tunichtgut“ und „That’s You Carl“. Immerhin hat sie bereits die nächsten Touren mit ihnen geplant. Im August wollte sie zum Beispiel mit den vieren eine Mont-Blanc-Umrundung in Angriff nehmen.

„Dem ehrlichen Finder werde ich mich selbstverständlich erkenntlich zeigen oder auch gerne für eine gemeinnützige Organisation spenden“, bietet Ulrike Schmid an und hofft auf einen Hinweis auf den Verbleib ihrer Lieblinge.

Wer Hinweise auf den Verbleib der beiden Plüschtiere hat, soll sich unter 0049172-8562137 telefonisch melden oder ihr eine Mail schreiben (uli.schmid@table-service-team.com)


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