Nüchterne Analyse der ÖFB-Spieler nach Sieg über die Türkei

„Gegen Deutschland müssen wir eine Schippe nachlegen“, erklärte Andreas Ivanschitz.

Wien – Der Prestige-Erfolg über die Türkei hat die österreichischen Fußball-Teamspieler nicht in überschäumende Euphorie versetzt. Die Schützlinge von Marcel Koller freuten sich zwar nach dem 2:0 am Mittwoch im Wiener Happel-Stadion über die vierte Partie in Serie ohne Niederlage, wussten aber auch, dass mit dem Deutschland-Match am 11. September zum WM-Qualifikationsauftakt eine ungleich schwierigere Aufgabe wartet.

Andreas Ivanschitz, per Elfmeter Schütze des 2:0, ortete bis zum Duell mit der DFB-Auswahl noch Steigerungsbedarf. „Die Deutschen werden eine Klasse stärker sein, da müssen wir alle eine Schippe nachlegen. Das wissen wir, daran werden wir arbeiten.“ Der Mainz-Legionär gab zu, dass die Türken die spielerisch stärkere Mannschaft waren. „Die ersten 10, 15 Minuten waren sehr, sehr positiv. Dann haben wir uns zu tief hinten reindrängen lassen, nicht viele Chancen zugelassen, aber auch offensiv keine Akzente mehr setzen können bis zur Pause. Den Sieg haben wir dann erzwungen und erkämpft.“

Neo-Kapitän Fuchs: „Da wächst die Brust“

Am Ende zähle das Resultat. „Dieses 2:0 tut uns sehr gut. Ich schätze die Türkei sehr stark ein, das ist eine Weltklassemannschaft, und wir haben praktisch keine Torchancen zugelassen“, sagte Ivanschitz.

Auch Christian Fuchs zeigte sich zufrieden. „Die Generalprobe ist geglückt. Wir haben das, was wir uns vorgenommen haben - früh zu stören - vor allem zu Beginn hervorragend gemacht, dadurch sind auch die Tore gefallen“, analysierte der Neo-Kapitän. „Im Großen und Ganzen hatten wir die besseren Chancen, und wir haben wenig zugelassen. Ich finde, der Sieg geht in Ordnung, auch wenn wir spielerisch nach vorne noch Luft nach oben haben.“

Der erste Erfolg über die Türken seit fast 24 Jahren sei wichtig fürs Selbstvertrauen. „Da wächst die Brust schon ein wenig“, sagte der angestammte Linksverteidiger, der diesmal zu Testzwecken als offensiver linker Mittelfeldspieler agierte. „Das war ungewohnt, man bekommt weniger Bälle. Aber es geht darum, dass die die Mannschaft erfolgreich ist, nicht um einzelne Spieler.“

Almer mit besten Chancen auf Nummer eins in WM-Quali

Das vierte Spiel ohne Niederlage - eine längere Serie legte das ÖFB-Team zuletzt von Oktober 2006 bis März 2007 hin (2:1 Liechtenstein, 2:1 Schweiz, 4:1 Trinidad & Tobago, 1:1 Malta, 1:1 Ghana) - ist laut Fuchs ein Beleg für den Aufwärtstrend. „Man sieht eine Tendenz, dass eine gewisse Konstanz da ist.“

Sebastian Prödl sprach wie seine Kollegen sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte des Erfolgs an. „Das Spiel gegen den Ball, die Räume eng machen - das hat hervorragend funktioniert. Verbessern müssen wir, dass wir in Ballbesitz den Gegner zum Laufen bringen, mehr Räume erspielen und zu mehr Chancen kommen.“

So wie der Innenverteidiger leistete auch Goalie Robert Almer einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Partie ohne Gegentor beendet wurde. Der Schlussmann vom deutschen Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf betrieb damit bei seinem Verein Werbung in eigener Sache, schließlich ist noch nicht sicher, ob er zu Saisonbeginn die Nummer eins sein wird. „Deshalb ist dieses Spiel für mich persönlich sehr wichtig“, meinte der Steirer. Die Entscheidung wird Trainer Norbert Meier laut Almer ein bis zwei Tage vor dem Auswärtsspiel der ersten DFB-Cup-Runde am Sonntag gegen Wacker Burghausen bekanntgeben.

Im Kampf um den Stammplatz im ÖFB-Team dürfte sich Almer allerdings endgültig einen entscheidenden Vorteil verschafft haben. „Ich glaube, meine Leistung war in Ordnung, doch die Entscheidung trifft der Teamchef. Ich werde mich nicht rauslehnen und sagen, ich spiele hundertprozentig.“ Nationaltrainer Koller gab sich diesbezüglich noch zurückhaltend: „Er hat bestätigt, was er gegen Finnland und die Ukraine umgesetzt hat. Wenn er fit bleibt, werden wir in drei Wochen sehen.“ (APA)


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